Klimafolgen bleiben selten auf einen Ort oder einen Vorgang begrenzt. Eine physikalische Veränderung kann Organismen belasten. Von dort kann sich die Störung auf Nahrung, Wasser, Gesundheit und Lebensgrundlagen ausweiten.
Klimawandel endet selten bei einem einzigen Ereignis. Stärkere Hitze kann den Verdunstungsbedarf erhöhen und zur Austrocknung von Böden beitragen, wenn Niederschlag das verlorene Wasser nicht ersetzt. Trockene Böden belasten Pflanzen, geringere Ernten beeinträchtigen die Nahrungsmittelversorgung und fehlender Zugang zu sauberem Wasser schadet der Gesundheit.
Klimafolgen lassen sich deshalb als Ursache-Wirkungs-Pfade lesen. Der Pfad ist nicht überall gleich, weil Exposition und Verwundbarkeit verschieden sind. Eine physikalische Veränderung kann sich aber durch Organismen, Ökosysteme, Wirtschaft und Gesundheit fortsetzen.
Diese Folgen sind keine voneinander getrennten Ereignisse. Eine Veränderung bei Wasser, Temperatur oder Lebensraum kann später als Druck auf Ernährung, Gesundheit oder biologische Vielfalt wieder sichtbar werden.
Ausgangsveränderung
Biologischer Wirkungspfad
Folge für Menschen oder Ökosysteme
Wärmeres Meerwasser
Die Symbiose von Korallen und Algen gerät unter Stress, der Rifflebensraum wird geschwächt
Fischerei und Küstenschutz können beeinträchtigt werden
Längere Dürre
Die Bodenfeuchte sinkt und Nutzpflanzen geraten unter Stress
Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung werden unsicherer
Starkregen oder Überschwemmung
Wasser kann verunreinigt werden und Lebensräume können sich verändern
Risiken für Gesundheit, Sicherheit und Wohnraum steigen
Veränderte Temperatur und Niederschläge
Geeignete Verbreitungsgebiete für Arten und Krankheitsüberträger können sich verschieben
Konkurrenz im Nahrungsnetz verändert sich und Gesundheitsrisiken müssen neu beobachtet werden
Lies eine Klimafolge als Wirkungspfad: zuerst die physikalische Veränderung, dann die Reaktion der Organismen und schließlich die Folgen für Menschen und Ökosysteme.
NOAA Climate.gov berichtet, dass der Ozean mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme aufgenommen hat, die durch die vom Menschen verursachte Erwärmung im Erdsystem geblieben ist. Schon eine geringe lokale Temperaturabweichung kann für empfindliche Organismen bedeutsam sein. Korallen sind ein gutes Beispiel, weil ein großer Teil ihrer Energieversorgung von einer hitzeempfindlichen Partnerschaft abhängt.
Korallenriffe sehen wie Felsen aus, werden aber von Korallentieren aufgebaut, die mit Algen zusammenleben. Diese Algen liefern einen großen Teil der Nahrung. Symbiose bezeichnet eine enge Beziehung zwischen zwei Organismen. Wird das Meerwasser zu warm, kann diese Partnerschaft gestört werden und die Korallen verlieren ihre Farbe.
Korallenbleiche bedeutet nicht automatisch, dass die Koralle sofort stirbt. Sie ist aber ein Zeichen für starken Stress. Hält die Belastung an, werden Korallen geschwächt, Fische verlieren Lebensraum und riffabhängige Küstengemeinschaften spüren die Folgen.
Der NOAA Ocean Service erklärt Korallenbleiche als Stressreaktion, bei der Korallen die in ihrem Gewebe lebenden Algen abstoßen. Das Beispiel zeigt, wie eine Temperaturänderung eine Lebensgemeinschaft stören kann, von der ein ganzes Riff abhängt.
Die blasse Farbe ist daher keine rein äußerliche Veränderung. Sie zeigt eine Störung der Korallen-Algen-Beziehung an, deren Folgen Rifffische und den gesamten Rifflebensraum erreichen können.
Landwirtschaft hängt von Wasser, Temperatur, Boden und Aussaatzeit ab. Verschiebt sich die Regenzeit, dauern Dürren länger oder fällt Regen zu heftig, geraten Nutzpflanzen unter Druck. Überschwemmungen beschädigen Felder, während bei Dürre Wasser für die Pflanzen fehlt.
Die Folgen für die Ernährung beschränken sich nicht auf Reisfelder. Auch Tierhaltung, Fischerei und Lebensmittelverteilung können durch Extremwetter gestört werden. Klimawandel ist deshalb sowohl ein biologisches Thema als auch eine Frage des Alltags.
Klima wirkt über mehrere voneinander unterscheidbare Wege auf die Gesundheit. Hitze, Wasser, Luft, Nahrung und krankheitsübertragende Organismen müssen jeweils getrennt betrachtet werden.
Extreme Hitze kann Hitzeerschöpfung verursachen. Überschwemmungen können das Krankheitsrisiko erhöhen, wenn Wasser verunreinigt wird. Dürre kann den Zugang zu sauberem Wasser einschränken. Temperatur- und Niederschlagsänderungen können außerdem die klimatische Eignung für Krankheitsüberträger wie Mücken verschieben. Das tatsächliche Krankheitsrisiko hängt jedoch auch von Wohnbedingungen, Gesundheitsversorgung, Ökologie und Prävention ab.
Die WHO nennt direkte und indirekte Gesundheitsfolgen, darunter Hitzewellen, Störungen der Nahrungs- und Wasserversorgung sowie vektorübertragene Krankheiten. Gesundheitsrisiken dürfen daher nicht auf einen einzigen Wirkungspfad reduziert werden.
Bei wild lebenden Arten kann Klimawandel das geografische Gebiet verschieben, in dem eine Art überleben und sich fortpflanzen kann. Folgen Populationen geeigneten Bedingungen, verändern sich möglicherweise Nahrungsbeziehungen und Konkurrenz. Arten, die sich nicht schnell genug bewegen oder anpassen können, verlieren Lebensraum. Auf diese Weise gerät biologische Vielfalt zusätzlich unter Druck.
Am Beispiel der Korallen lässt sich die Wirkungskette Schritt für Schritt verfolgen. Wärmeres Meerwasser ist nicht bloß ein wärmeres Becken. Die Wärme stört möglicherweise die Symbiose, Korallen bleichen aus, Rifffische verlieren Schutz und schließlich können auch Fischerei und Küstengemeinschaften betroffen sein.
Dasselbe Muster kann bei Nahrung, Wasser und Gesundheit auftreten. Klimafolgen dürfen deshalb nicht nur am ersten Ereignis beurteilt werden. Entscheidend ist, den Wirkungspfad bis zu den Organismen und Menschen zu verfolgen, die von dem betroffenen System abhängen.