Oft bemerken wir zuerst die Wirkung von Bakterien und sehen ihre Zellen erst später unter dem Mikroskop. Veränderungen von Geruch, Geschmack, Konsistenz oder Farbe können darauf hinweisen, dass winzige lebende Zellen aktiv sind.
Bakterielle Aktivität zeigt sich in Veränderungen
Milch kann durch Fermentation zu Joghurt und Kokoswasser zu Nata de Coco werden. Auch am Verderb zu lange gelagerter Lebensmittel können Bakterien beteiligt sein. Dabei wirken jeweils andere Arten und Prozesse. Die Mikroorganismen selbst sind nicht unbedingt sichtbar, ihre Stoffwechselvorgänge aber sehr wohl.
Bakterien sind einzellige prokaryotische Organismen. Einzellig bedeutet, dass der Körper aus einer Zelle besteht. Prokaryotisch bedeutet, dass das genetische Material nicht von einer Kernmembran umgeben ist. Bakterien sind lebende Zellen, ihre innere Organisation unterscheidet sich jedoch von Tier-, Pflanzen- oder Pilzzellen.
Merkmale prokaryotischer Zellen wie Plasmamembran, Nukleoid und Ribosomen sowie die unterschiedlichen Zellhüllen verschiedener Arten werden in OpenStax Biology 2e zusammengefasst. Bakterien und Archaeen sind zwei prokaryotische Domänen. Der Begriff Bakterien bezeichnet also nicht alle Prokaryoten.
Prokaryotisch bedeutet also nicht „unvollständig“. Bakterien besitzen eine Zellgrenze, genetisches Material, Ribosomen zur Proteinherstellung und einen Stoffwechsel, der sie am Leben erhält.
Kurzer Check: Bakterien sind lebende Zellen, weil sie über eine Membran, ein Zytoplasma, DNA, Ribosomen und einen Stoffwechsel verfügen. Die Form hilft bei der Früherkennung, aber die Identifizierung eines Bakteriums erfordert auch Hinweise auf seine Zellstruktur, seinen Stoffwechsel, seinen Lebensraum und seine Wirkung.
Bakterien von der äußeren Form bis zur Zellwand untersuchen
Das Modell trennt die äußere Form, den Inhalt der prokaryotischen Zelle und die Schichten der Zellwand. Drehe es, um die Anordnung der Bestandteile zu vergleichen.
Von links nach rechts sind Kokken, Stäbchen und spiralförmige Bakterien als erste Erkennungsmerkmale zu sehen.
Beobachteter Bereich
Die Form beschreibt die Morphologie, aber nicht die gesamte Identität eines Bakteriums.
Biologische Bedeutung
Für eine sichere Bestimmung werden neben der äußeren Form weitere Merkmale benötigt.
Die Zellform erleichtert eine erste Beobachtung, weil Bakterien zu klein sind, um sie wie Pflanzen oder Tiere zu erkennen. Sie ist ein Ausgangspunkt, aber keine vollständige Bestimmung.
Bakterien sind sehr klein und werden meist im Mikrometerbereich gemessen. Häufige Formen sind Kokken, also kugelförmige Zellen, Stäbchen und Spiralformen. Kokken können paarweise, in Ketten oder in Haufen auftreten. Auch stäbchenförmige Zellen kommen einzeln oder in Gruppen vor. Diese Begriffe beschreiben die Morphologie, nicht die vollständige taxonomische Identität.
Die Form hilft bei der ersten Beobachtung, darf aber nicht der letzte Schritt bleiben. Zwei stäbchenförmige Bakterien können unterschiedliche Lebensweisen, Zellwände oder Wirkungen haben. Deshalb wird die Form zusammen mit Zellstruktur, Stoffwechsel und Lebensraum betrachtet.
Deshalb ist eine Bakterienskizze nur der Anfang. Eine genauere Erklärung untersucht, wie die Zelle aufgebaut ist, wo sie lebt und was sie mit umliegenden Organismen macht.
Sichtbares Merkmal
Wobei es hilft
Warum es nicht ausreicht
Kokken
Kugelförmige Zellen erkennen
Verschiedene Kokken können unterschiedlich leben und wirken
Bazillen
Stäbchenförmige Zellen erkennen
Die Form zeigt weder den Zellwandtyp noch den Stoffwechsel
Spiralform
Gebogene oder schraubenförmige Zellen erkennen
Für eine sichere Bestimmung werden weitere Merkmale benötigt
Der Begriff prokaryotisch kann so wirken, als fehle der Zelle alles Wichtige. Tatsächlich besitzen Bakterien alle Bestandteile, die sie zum Wachsen, Reagieren und Vermehren benötigen.
Das Innere eines Bakteriums ist einfacher aufgebaut als das einer eukaryotischen Zelle, aber keineswegs leer. Die bakterielle DNA liegt im Nukleoid. Ribosomen stellen Proteine her, die Zellmembran regelt den Stoffaustausch, und im Zytoplasma laufen viele chemische Reaktionen ab.
Stell dir das Nukleoid als Arbeitsbereich der DNA vor, nicht als geschlossenen Raum wie einen Zellkern. Die DNA kann auch ohne Kernmembran kopiert werden und die Zellaktivität steuern.
Viele Bakterien besitzen eine Zellwand aus Peptidoglykan, einem molekularen Netzwerk, das Form und Schutz verleiht. Grampositive Bakterien haben meist eine dicke Peptidoglykan-Schicht. Bei gramnegativen Bakterien ist diese Schicht dünner und von einer Außenmembran umgeben. Dieser Unterschied kann die Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Stoffe beeinflussen.
Einige Bakterien verursachen Krankheiten, viele erfüllen jedoch nützliche Aufgaben. Sie helfen bei der Herstellung von Joghurt, Käse oder Nata de Coco, zersetzen organische Reste, produzieren Vitamine, werden in der Gentechnik eingesetzt oder tragen zur Sanierung belasteter Umweltbereiche bei. Bioremediation bezeichnet den Einsatz von Organismen zum Abbau von Schadstoffen.
Der menschliche Körper enthält auch mikrobielle Gemeinschaften, die mit der Gesundheit verbunden sind. Das NIH Human Microbiome Project untersuchte die mikrobielle Vielfalt bei gesunden Menschen und mögliche Zusammenhänge mit Krankheiten. Dies hilft uns, Bakterien als Teil des Ökosystems des Körpers zu betrachten und nicht nur als Feinde.
Bakterien lassen sich deshalb nicht einfach in „gut“ und „schlecht“ einteilen. Entscheidend ist, wo ein Bakterium lebt, welche Stoffwechselprozesse es nutzt und wie es auf andere Organismen wirkt.
Prokaryotisch bedeutet nicht unorganisiert. Bakterien haben keinen membrangebundenen Kern, aber sie verfügen dennoch über eine Membran, Zytoplasma, DNA, Ribosomen, Zellwände vieler Arten und Stoffwechselprozesse.
Ihr kompakter Zellaufbau verhindert weder eine enorme Stoffwechselvielfalt noch sehr unterschiedliche ökologische Rollen. Bakterien sind daher vollständige und vielfältige Zellen, keine „leeren“ oder unfertigen Zellen.