Pilze werden oft schon als feines Geflecht sichtbar, lange bevor ein Fruchtkörper entsteht. Wenn du diese Fäden richtig deutest, kannst du Pilzwachstum leichter von Pflanzenwurzeln oder Bakterienkolonien unterscheiden.
Am Myzel lassen sich Pilze gut erkennen
Beim Tempeh verbindet ein dichtes Netz weißer Hyphen von Rhizopus-Pilzen die Sojabohnen miteinander. Diese Schicht ist keine Pflanzenwurzel. Das Beispiel zeigt ein wichtiges Merkmal: Viele Pilze bilden einen Körper aus feinen Fäden, die sich durch das Nahrungsmittel ziehen. Einzellige Pilze wie Hefen besitzen jedoch keinen solchen Körper.
Pilze sind eukaryotische, heterotrophe Organismen. Eukaryotisch bedeutet, dass ihre Zellen einen von einer Membran umgebenen Zellkern besitzen. Heterotroph bedeutet, dass sie ihre Nahrung nicht wie chlorophyllhaltige Pflanzen selbst herstellen. Stattdessen nehmen Pilze Nährstoffe aus organischem Material auf, etwa aus lebenden Organismen oder deren Überresten.
Merkmale wie Hyphen, Myzel, heterotrophe Ernährung und Sporen fasst OpenStax Biology 2e zusammen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Pilze anders leben als Pflanzen. Sie betreiben keine Fotosynthese. Stattdessen bilden sie ein aufnahmefähiges Geflecht, über das sie Nährstoffe aus organischem Material aufnehmen.
Kurz geprüft: Wenn du ein feines Fadengeflecht siehst, das Nährstoffe aus organischem Material aufnimmt, denke zuerst an Hyphen und Myzel, nicht an Pflanzenwurzeln.
Modell von Hyphen und Myzel
Beobachte, wie sich Hyphen zu einem Myzel verzweigen, Enzyme an das organische Material abgeben und Sporen über eine Lufthyphe verbreiten.
Das Hyphengeflecht breitet sich im Nahrungsmaterial aus und vergrößert die Aufnahmefläche des Pilzes.
Beobachteter Bestandteil
Verzweigte Hyphen bilden ein Myzel, keine Pflanzenwurzeln.
Biologische Bedeutung
Pilze verdauen ihre Nahrung außerhalb des Körpers und nehmen die Abbauprodukte anschließend über das Hyphengeflecht auf.
Pilzmerkmal
Einfach erklärt
Warum es wichtig ist
Hyphen
Feine Pilzfäden
Sie geben dem Pilz eine große Aufnahmefläche
Myzel
Ein Geflecht aus Hyphen
Dadurch kann sich der Pilz in Nahrung, Boden oder Holz ausbreiten
Abgegebene Enzyme
Stoffe, die außerhalb des Körpers wirken
Sie zerlegen komplexes Material vor der Aufnahme
Chitinwand
Eine feste Zellwand aus Chitin
Sie unterscheidet Pilze von Pflanzen mit Zellulosewänden
Pilze verschlucken ihre Nahrung nicht wie Tiere und stellen sie auch nicht wie Pflanzen selbst her. Ihre Ernährungsweise ist besonders gut an organisches Material angepasst, das zuerst zerlegt werden muss.
Tiere nehmen Nahrung gewöhnlich in den Körper auf und verdauen sie dort. Pilze gehen anders vor: Sie geben Enzyme an ihre Umgebung ab, zerlegen komplexes organisches Material in kleinere Moleküle und nehmen die entstandenen Stoffe anschließend auf.
Stell dir vor, die Nahrung wird außerhalb des Körpers verflüssigt und erst danach aufgenommen. Genau dafür sind die Hyphen wichtig. Diese feinen Fäden bilden einen großen Teil des Pilzkörpers. Ein Geflecht aus Hyphen heißt Myzel. Je weiter sich das Myzel ausbreitet, desto größer ist die Fläche, die mit dem Nahrungsmaterial in Kontakt kommt.
Pilzzellwände enthalten Chitin und nicht wie pflanzliche Zellwände Zellulose. Chitin kommt auch im Außenskelett von Insekten vor. Schon dieser Unterschied zeigt, dass Pilze keine kleinen Pflanzen sind.
Der Unterschied liegt also nicht nur in der sichtbaren Form. Auch das Material der Zellwand weist auf eine andere Lebensweise hin.
Je nach Art und Phase ihres Lebenszyklus können Pilze Sporen sexuell oder asexuell bilden. Sporen können über Luft, Wasser, Tiere oder den Kontakt mit Oberflächen verbreitet werden. Unter geeigneten Bedingungen kann eine lebensfähige Spore keimen und neue Hyphen bilden.
Deshalb können feuchte Lebensmittel leicht von Pilzen besiedelt werden. Feuchtigkeit, verfügbare Nährstoffe, eine passende Temperatur und ein lebensfähiger Pilzkeim sind gemeinsam für das Wachstum erforderlich.
Welche Rolle ein Pilz spielt, hängt von seinem Lebensraum und seinen Beziehungen zu anderen Organismen ab. Ein Pilz, der Pflanzenwurzeln unterstützt, hat eine andere Wirkung als ein Pilz, der Lebensmittel verdirbt.
Pilze können je nach Zusammenhang nützlich, schädlich oder neutral sein. Hefen ermöglichen Gärungsprozesse, Speisepilze dienen als Nahrung und Bodenpilze zersetzen Blätter und Holz. Andere Pilze verderben Lebensmittel, befallen Nutzpflanzen oder verursachen Krankheiten.
Pilze kommen deshalb in Lebensmitteln, Böden, Wurzeln und infiziertem Gewebe vor. Ihre Rolle verändert sich mit dem Standort, der Nährstoffquelle und den Organismen in ihrer Umgebung.
An Pflanzenwurzeln bilden manche Pilze eine Mykorrhiza, also eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Wurzel. Der US Forest Service erklärt, dass Mykorrhizapilze die Wasser- und Mineralstoffaufnahme der Pflanze unterstützen können. Im Gegenzug liefert die Pflanze Kohlenhydrate aus der Fotosynthese. Hyphen sind damit nicht nur Werkzeuge der Zersetzung, sondern können auch den Stoffaustausch zwischen Organismen ermöglichen.
Die sinnvolle Frage lautet deshalb nicht einfach: „Sind Pilze gut oder schlecht?“ Frage stattdessen: „Wo lebt dieser Pilz, woraus gewinnt er Nährstoffe und wie wirkt er auf die Organismen in seiner Umgebung?“
Tiere suchen oder ergreifen Nahrung und verdauen sie im Körper. Pilze breiten dagegen ihre Hyphen aus, zerlegen Nahrung außerhalb des Körpers und nehmen die entstandenen Stoffe auf. Die weiße Schicht im Tempeh ist deshalb am besten als aufnahmefähiges Geflecht zu verstehen. Sie ist weder Wurzel noch Blatt oder gewöhnlicher Schleim, sondern ein Myzel, das organisches Material nutzt.
Diese Sichtweise hilft dir, die Rolle eines Pilzes einzuordnen. Wenn du Pilze auf Lebensmitteln, im Boden, auf morschem Holz oder an Pflanzenwurzeln siehst, stelle drei Fragen: Wo wachsen die Hyphen? Welches Material wird zerlegt? Welche Beziehung entsteht zu den Organismen in der Umgebung?