Das Periodensystem kann wie ein Sitzplan der Elemente gelesen werden. Die Position eines Elements gibt Hinweise auf die Atomgröße, wie leicht ein Elektron entfernt werden kann und wie stark das Atom Elektronen in einer Bindung anzieht.
Die Schlüsselidee ist die Anziehung des Kerns auf die Valenzelektronen. Valenzelektronen liegen in der äußersten Schale. Mit steigender Protonenzahl wird die Kernanziehung meist stärker. Kommen dagegen weitere Schalen hinzu, liegen die Valenzelektronen weiter vom Kern entfernt und spüren seine Anziehung schwächer.
Modell periodischer Trends
Wähle eine Eigenschaft und vergleiche ihren Verlauf innerhalb einer Periode mit dem Verlauf innerhalb einer Gruppe. Die Richtung macht den Fachbegriff zuerst anschaulich.
Beginne mit der Periodenbahn: Die Markierung für Na ist am größten und wird in Richtung Cl kleiner. Innerhalb derselben Periode zieht der Kern die äußeren Elektronen immer stärker an.
Bedeutung
Relative Atomgröße, meist in pm.
Innerhalb einer Periode
Von Na zu Cl nimmt die Größe ab.
Innerhalb einer Gruppe nach unten
Von N zu Bi nimmt die Größe zu.
Wichtigster Grund
Nach rechts steigt Z. Nach unten steigt die Zahl der Schalen.
Die Pfeile sollten nicht am Anfang stehen. Zuerst hilft die Frage, was die jeweilige Eigenschaft überhaupt beschreibt.
Atomradius fragt: Wie groß ist das Atom? Atome haben keine harten Oberflächen, daher wird die Größe aus den Kernabständen oder einem anderen vergleichbaren Messmodell abgelesen.
Erste Ionisierungsenergie fragt: Wie schwer ist es, das erste Elektron aus einem neutralen Atom zu entfernen?
Elektronenaffinität fragt: Welche Energieänderung passiert, wenn ein Elektron in ein gasförmiges Atom eintritt?
Elektronegativität fragt: Wie stark zieht ein Atom Elektronen an, die in einer Bindung geteilt sind?
Elektronenaffinität und Elektronegativität werden leicht verwechselt. Bei der Elektronenaffinität nimmt ein gasförmiges Atom ein Elektron auf. Elektronegativität beschreibt dagegen die Anziehung gemeinsamer Elektronen innerhalb einer Bindung.
Im Laufe einer Periode nimmt die Anzahl der Protonen zu, aber die Valenzelektronen befinden sich immer noch in derselben Hauptschale. Die effektive nukleare Anziehungskraft wird stärker. Infolgedessen nimmt der Atomradius tendenziell ab, während Ionisierungsenergie und Elektronegativität tendenziell zunehmen.
Innerhalb einer Gruppe nach unten wächst die Zahl der Schalen. Die Valenzelektronen liegen weiter vom Kern entfernt, während innere Elektronen einen Teil der Kernanziehung abschirmen. Dieser Effekt heißt Elektronenabschirmung. Eine Lampe hinter mehreren Papierblättern liefert ein gutes Bild: Das Licht ist weiterhin vorhanden, wirkt von außen aber schwächer.
Die Elektronenaffinität muss genauer gelesen werden, weil Quellen zwei scheinbar entgegengesetzte Vorzeichenkonventionen verwenden. Das IUPAC Gold Book definiert die Elektronenaffinität als die bei der Elektronenaufnahme freigesetzte Energie. Eine günstige Aufnahme besitzt daher EA>0. Wird derselbe Vorgang als Reaktionsenergie geschrieben, gilt das entgegengesetzte Vorzeichen ΔE=−EA<0. OpenStax verwendet diese Reaktionsenergiekonvention.
Cl(g)+e−→Cl−(g)EA>0,ΔE=−EA<0
Edelgase wie Ar haben bereits stabile Valenzschalen, sodass sie zusätzliche Elektronen nur schwer aufnehmen können. Aus diesem Grund ist die Elektronenaffinität weniger eindeutig als der Atomradius oder die Ionisierungsenergie.
Zwei Fragen geben eine schnelle Orientierung: Liegen die Valenzelektronen näher am Kern oder weiter entfernt? Wird die effektive Kernanziehung stärker oder schwächer?
Liegen Valenzelektronen näher am Kern und werden stärker angezogen, sind Atome tendenziell kleiner und Elektronen schwerer zu entfernen. Kommen weitere Schalen hinzu, liegen die Valenzelektronen weiter außen, die Atome werden größer und äußere Elektronen lassen sich leichter entfernen. Mit diesem Zusammenhang werden Trendpfeile zu einer begründeten Aussage statt zu leerem Auswendiglernen.