Bevor wir eine Aktivität als „grün“ oder „nicht grün“ beurteilen, müssen wir wissen, welcher chemische Prozess abläuft. Beim Verbrennen von Abfällen, beim Waschen von Kleidung, beim Kompostieren, beim Kochen, bei der Photosynthese in Pflanzen und beim Rosten von Eisen verändern sich Substanzen oder interagieren miteinander.
Grüne Chemie fragt nicht, ob ein Prozess natürlich aussieht. Entscheidend ist, ob er von Anfang an so gestaltet wurde, dass Gefahren, Abfall, unnötiger Energieverbrauch, Einwegmaterialien und Unfallrisiken sinken. Die EPA fasst diese Idee in den Grundlagen der grünen Chemie als Gestaltung chemischer Produkte und Prozesse zusammen, die den Einsatz oder die Entstehung gefährlicher Stoffe verringern.
Beim Untersuchen eines Prozesses hilft diese Reihenfolge:
Was zu lesen ist
Frage
Ausgangsstoffe
Welche Stoffe gelangen in den Prozess?
Veränderung
Vermischen sich die Stoffe nur, oder entstehen neue Stoffe?
Produkte
Welche Stoffe entstehen nach Ablauf des Prozesses?
Auswirkungen
Gibt es Abfall, überschüssige Hitze, gefährliches Gas oder schwer abbaubares Material?
Das Periodensystem hilft uns beim Lesen von Elementsymbolen, aber Symbole allein reichen nicht aus. Wir müssen wissen, ob wir ein Atom, ein Element, ein elementares Molekül oder ein zusammengesetztes Molekül lesen.
Laut IUPAC Gold Book ist ein Atom das kleinste Teilchen, das noch ein chemisches Element charakterisiert. Ein chemisches Element ist eine Atomsorte mit derselben Protonenzahl. Ein Molekül ist eine elektrisch neutrale Einheit aus mehr als einem Atom.
Modell für Atome und Moleküle
Drehe das Modell und unterscheide ein Atom, ein Element, ein Elementmolekül und ein Verbindungsmolekül, bevor du Reaktionsgleichungen liest.
Ein einzelnes Teilchen lesen wir als Atom, nicht als Molekül.
Was gerade dargestellt ist
Ein C-Atom.
Wie man es liest
Ein Teilchen, das weiterhin das Element Kohlenstoff kennzeichnet.
Für diese Lektion genügt zunächst folgende Einordnung.
Begriff
Wie man es liest
Beispiel
Atom
Ein Teilchen eines Elements.
ein C-Atom oder ein O-Atom
Element
Eine Substanz, deren atomare Identität durch die Protonenzahl festgelegt wird.
Eisen, Kohlenstoff, Sauerstoff
Elementares Molekül
Ein Molekül, das aus Atomen desselben Elements besteht.
O2, N2, P4,
Zusammengesetztes Molekül
Ein Molekül, das aus Atomen verschiedener Elemente besteht.
H2O, CO2, C6H12O6
Wichtiger Hinweis: Nicht jede Verbindung existiert als separate Moleküle. Kochsalz beispielsweise wird üblicherweise als ionische Anordnung und nicht als einzelnes Molekül gelesen. Die Beispiele auf dieser Seite verwenden Moleküle, weil wir einfache Reaktionsgleichungen üben.
Eine chemische Reaktionsgleichung ist eine kompakte Karte. Die Stoffe links vom Pfeil sind Reaktanten, die Stoffe rechts davon sind Produkte. Der Pfeil bedeutet „ergibt“, und die Zahlen vor den Formeln heißen Koeffizienten.
OpenStax erklärt, dass Reaktanten auf der linken Seite, Produkte auf der rechten Seite, Pluszeichen getrennte Substanzen und Koeffizienten relative Mengen in Schreiben und Balancieren chemischer Gleichungen angeben.
Das Grundmuster ist:
Reaktanten→Produkte
Zustandssymbole werden nach der Formel geschrieben.
Symbol
Bedeutung
(s)
fest
(l)
flüssig
(g)
Gas
(aq)
in Wasser gelöst
Zum Ausgleichen einer Reaktion dürfen wir die Koeffizienten ändern. Die tiefgestellten Zahlen in einer Formel dürfen wir dagegen nicht beliebig verändern, denn sie bestimmen den Stoff. H2O bezeichnet Wasser, H2O2 dagegen Wasserstoffperoxid.
Photosynthese wird oft als summarische Reaktion geschrieben. Der eigentliche Prozess besteht aus vielen Schritten, aber die zusammenfassende Gleichung hilft uns zu sehen, wie Atome neu angeordnet werden. OpenStax Concepts of Biology erklärt in Überblick über die Photosynthese, dass die Photosynthese Kohlendioxid und Wasser verwendet, um Zucker und Sauerstoff zu produzieren.
Eine unausgeglichene Gleichung kann wie folgt geschrieben werden:
CO2(g)+H2O(l)→C6H12O6+O2(g)
Wenn wir Atome zählen, stimmen die beiden Seiten nicht überein.
Element
Links
Rechts
C
1
6
H
2
12
O
3
8
Die richtigen Koeffizienten sorgen dafür, dass die Atomzahl übereinstimmt:
6CO2(g)+6H2O(l)LichtC6H12O6+6O2(g)
Dies ist eine formale Zusammenfassung und keine einzelne Elementarreaktion. Deshalb steht die Kohlenhydratformel ohne Zustandssymbol.
Nun ist die Gleichung ausgeglichen.
Element
Links
Rechts
C
6
6
H
12
12
O
18
18
Es geht nicht darum, die Koeffizienten der Photosynthese auswendig zu lernen. Wichtig ist die Methode: Formeln bleiben unverändert, Koeffizienten werden angepasst und anschließend werden die Atome auf beiden Seiten gezählt.
Nachdem wir eine Reaktion ablesen können, können wir beurteilen, ob der Prozess den Prinzipien der grünen Chemie entspricht. Ein Prozess kann nützlich, aber dennoch nicht umweltfreundlich sein, wenn er Schadstoffe erzeugt, unnötig gefährliche Stoffe verwendet oder zu viel Energie benötigt.
Alltagsprozess
Chemische Lektüre
Grüne Chemie-Notiz
Verbrennen von Plastikmüll
Organische Stoffe in Kunststoff reagieren mit Sauerstoff und Hitze.
Nicht ausgerichtet, da sich gefährlicher Rauch bilden kann und Abfall nicht an der Quelle verhindert wird.
Reiniger in der richtigen Menge verwenden
Reinigungsmittel helfen dabei, Schmutz ohne übermäßigen Gebrauch zu entfernen.
Näher an der Abfallvermeidung, aber Gefahrenkennzeichnungen sind immer noch wichtig.
Essensreste kompostieren
Mikroorganismen zerlegen organische Materialien in einfachere Materialien.
Kann organische Abfälle reduzieren, wenn es ohne Geruch, Sickerwasser oder Schädlinge bewirtschaftet wird.
Haushaltsreiniger wahllos mischen
Stoffe, die einzeln sicher verwendbar sind, können miteinander reagieren und gefährliche Gase bilden.
Nicht vereinbar, weil das Unfallrisiko steigt. Reinigungsmittel nur nach ausdrücklicher Herstelleranweisung mischen.
Die CDC warnt ausdrücklich davor, Haushaltsbleiche oder Desinfektionsmittel mit anderen Reinigern zu mischen. Dabei können Dämpfe entstehen, deren Einatmen gefährlich ist. Beachte die Produktkennzeichnung und die Hinweise zur Belüftung unter Cleaning and Disinfecting with Bleach.
„Natürlich“ und „grün“ bedeuten nicht automatisch dasselbe. Kompostierung kann helfen, bei schlechter Durchführung aber weiterhin Gerüche, Sickerwasser oder Schädlinge verursachen. Umgekehrt kann ein hergestellter Reiniger sicherer sein, wenn seine Zusammensetzung bekannt ist, die Dosierung stimmt und weniger Abfall entsteht.
Vergleichen wir drei Möglichkeiten, mit trockenem Laub im Garten umzugehen.
Option
Was passiert
Urteil
Verbrenne sie
Blätter reagieren mit Sauerstoff und erzeugen Rauch.
Für grüne Chemie nicht geeignet, da Verschmutzung entsteht.
In den Restmüll werfen
Das Laub reagiert nicht sofort, muss aber zusammen mit anderem Abfall behandelt werden.
Besser als Verbrennen, verhindert den Abfall aber nicht.
Richtig kompostieren
Organisches Material wird langsam zu Kompost abgebaut.
Für diese Entsorgungsfrage die beste Wahl, weil Verbrennung vermieden und organisches Material weiter genutzt wird. Kompostierung allein ist jedoch noch kein Design eines chemischen Produkts oder Verfahrens.
Unter diesen drei Möglichkeiten der Abfallbehandlung ist richtiges Kompostieren die beste Wahl. Nicht weil Kompost natürlich klingt, sondern weil dieser Weg die Verbrennung vermeidet, weniger Material im Restmüll landet und vorhandene organische Stoffe weiter genutzt werden. Das ist verantwortungsvolle Abfallwirtschaft. Von grüner Chemie könnten wir erst sprechen, wenn zusätzlich ein chemisches Produkt oder Verfahren gezielt neu gestaltet wird, nicht allein deshalb, weil ein Abbauprozess stattfindet.
Das Lesen alltäglicher chemischer Prozesse beginnt immer bei den Stoffen: Was dringt ein, was verändert sich, was tritt aus und welche Gefahren können von vornherein verhindert werden.