Schreibweisen nach Leibniz und Lagrange unterscheiden
Eine Ableitung beschreibt, wie sich eine Größe in Bezug auf eine andere verändert. Dafür gibt es mehrere Schreibweisen, und zwei davon begegnen dir bei Funktionen besonders oft: die Leibniz-Notation und die Strichnotation nach Lagrange.
Diese Bezeichnungen sollte man auseinanderhalten. Das Strichzeichen in geht auf Joseph-Louis Lagrange zurück. Isaac Newton verwendete dagegen die Punktnotation, etwa , vor allem für zeitabhängige Größen. Die Symbole sehen unterschiedlich aus, können aber jeweils eine Ableitung beschreiben, wenn Variable und Kontext klar sind.
Zwei gebräuchliche Ableitungsnotationen
Beide Schreibweisen bezeichnen dieselbe Ableitung. Die Leibniz-Notation nennt die veränderliche Größe und die Ableitungsvariable. Die Lagrange-Notation setzt Striche an den Funktionsnamen und hält dadurch wiederholte Ableitungen kurz.
Notation nach Leibniz
Gottfried Wilhelm Leibniz führte eine Notation ein, in der die Variablen ausdrücklich genannt werden. Für kann man die Ableitung so schreiben:
Wir lesen als „Ableitung von nach “. Der Zähler nennt die veränderliche Größe, der Nenner die Bezugsvariable. Dieser Unterschied kennzeichnet die Ableitungsvariable, wenn eine Aufgabe mehrere voneinander abhängige Variablen enthält.
Strichnotation nach Lagrange
Bei der Strichnotation nach Lagrange kennzeichnet ein Strich die Ableitung. Für kann man schreiben:
Wir lesen dies als „ Strich“ und „ Strich von “. Die Schreibweise ist kurz und praktisch, wenn die unabhängige Variable bereits feststeht. Bei jeder weiteren Ableitung kommt ein zusätzlicher Strich hinzu. Die zweite Ableitung lautet deshalb .
Die passende Notation wählen
Die Strichnotation nach Lagrange, etwa , eignet sich, wenn Funktion und unabhängige Variable eindeutig sind. Sie hält gewöhnliche Rechnungen kurz und übersichtlich.
Die Leibniz-Notation, etwa , eignet sich für Aufgaben mit mehreren Variablen. Der Nenner gibt an, dass nach abgeleitet wird, etwa bei der Kettenregel, bei zusammenhängenden Änderungsraten und in der mehrdimensionalen Analysis.
Mit beiden Schreibweisen rechnen
Nimm . Nach der Potenzregel ist die Ableitung von gleich und die Ableitung von gleich . Beide Schreibweisen geben dieselbe Rechnung wieder:
Unterscheide die Ableitungsfunktion von der Ableitung an einer Stelle. Um die Steigung bei zu bestimmen, setzt du diesen Wert in die Ableitungsfunktion ein.
Der senkrechte Strich in der Leibniz-Notation bedeutet, dass die Ableitung an der Stelle ausgewertet wird. Sowohl als auch stehen deshalb für die Zahl .
| Größe | Lagrange-Notation | Leibniz-Notation |
|---|---|---|
| Ableitungsfunktion | ||
| Ableitung an einer Stelle | ||
| Zweite Ableitung |
In der letzten Zeile leiten wir noch einmal ab. Die Hochzahlen in der Leibniz-Notation kennzeichnen zweimaliges Ableiten. Sie bedeuten nicht, dass die erste Ableitung quadriert wird.