Verschobene inverse Iteration
Die verschobene inverse Iteration zielt auf den Eigenwert, der einer gewählten Verschiebung am nächsten liegt. Wir beginnen mit einer reellen symmetrischen Matrix . Alle Eigenwerte sind reell, und die Eigenvektoren können als Orthonormalbasis gewählt werden.
Wähle ein , das selbst kein Eigenwert ist, und einen normierten Startvektor mit einer von null verschiedenen Komponente in der gesuchten Eigenvektorrichtung. Faktorisiere einmal und verwende diese Faktorisierung wiederholt.
Der gesuchte Eigenwert muss eindeutig am nächsten an der Verschiebung liegen. Bei gleichen Abständen entsteht kein eindeutig dominanter transformierter Betrag. Gemeint ist Konvergenz der Eigenrichtung. Ein negativer transformierter Eigenwert kann das Vorzeichen des Vektors wechseln.
Ein Iterationsschritt
Führe für die folgenden Schritte aus:
Der Rayleigh-Quotient schätzt den Eigenwert. Eine skalenabhängige Abbruchregel prüft das Residuum, statt lediglich aufeinanderfolgende Schätzungen zu vergleichen:
Für ein Eigenpaar mit wirkt die verschobene Inverse wie folgt.
Diese Beziehung zeigt, dass der Eigenwert nahe den größten transformierten Betrag erzeugt. In der Implementierung lösen wir das lineare Gleichungssystem, ohne explizit zu bilden.
Potenziteration
Die Potenziteration zielt auf den Eigenwert mit dem größten Betrag. Ausgehend von einem normierten Vektor wiederholen wir:
Bei einer symmetrischen Matrix erfordert die Konvergenz zum dominanten Eigenvektor die folgende Spektrallücke.
Der Startvektor muss außerdem eine von null verschiedene Komponente in Richtung des Eigenvektors zu besitzen. Der asymptotische Konvergenzfaktor beträgt ungefähr . Gleiche oder eng beieinanderliegende dominante Beträge können die Einvektorkonvergenz verlangsamen oder verhindern.
Der Eigenwert jedes Verfahrens
Das Wort „kleinster“ ist mehrdeutig. Deshalb muss das Ziel immer genau benannt werden.
| Methode | Ziel |
|---|---|
| Potenziteration auf | Eigenwert mit dem größten Betrag |
| Inverse Iteration mit und invertierbarem | Von null verschiedener Eigenwert mit dem kleinsten Betrag |
| Verschobene inverse Iteration | Eigenwert mit dem geringsten Abstand zu |
| Inverse Iteration auf einer positiv definiten Matrix | Kleinster algebraischer Eigenwert, der zugleich den kleinsten Betrag hat |
Bei einer indefiniten Matrix muss der Eigenwert mit dem kleinsten Betrag nicht der negativste Eigenwert sein. Diese Unterscheidung verhindert einen häufigen Interpretationsfehler.
Beispiel zur verschobenen inversen Iteration
Betrachten wir
Das verschobene System liefert im ersten Schritt
Da näher an der Verschiebung liegt als , treiben weitere Iterationen die zweite Komponente gegen null und gegen .
Prüfe auch das erste Residuum: Die Schätzung verbessert sich, ist aber noch nicht konvergiert:
Praktische Prüfungen
Mit diesen Prüfungen entscheidest du, ob ein berechnetes Paar aus Eigenwert und Eigenvektor stimmt, ohne die ganze Determinante erneut zu rechnen. Arbeite sie der Reihe nach für dein Ergebnis ab.
- Faktorisiere die verschobene Matrix mit einem stabilen Verfahren und, falls nötig, mit Pivotisierung. Trifft die Verschiebung genau einen Eigenwert, ist die verschobene Matrix singulär. Dann muss der Lösevorgang gesondert behandelt oder die Verschiebung angepasst werden.
- Verwende die Residuumsnorm als Abbruchkriterium. Eine kleine Änderung zwischen zwei Eigenwertschätzungen beweist noch kein genaues Eigenpaar.
- Das Vorzeichen eines Eigenvektors ist frei: und beschreiben dieselbe Eigenrichtung.
- Für Eigenwertcluster oder allgemeine nichtnormale Matrizen eignen sich Mehrvektorverfahren oder die Schur-Form, mit Lanczos bei symmetrischen Problemen und Arnoldi- oder -basierte Eigenwertlöser.