Zeichnen wir einen Kreis und eine Gerade in dieselbe Ebene, sind genau drei Lagebeziehungen möglich.
Die Gerade kann den Kreis in zwei Punkten schneiden, ihn in genau einem Punkt berühren oder ihn vollständig verfehlen. Lege einen Bleistift über einen Ring. Je nach Lage verläuft er durch den Ring, berührt nur den Rand oder bleibt vollständig außerhalb.
Setzt du die Geradengleichung in die Kreisgleichung ein, entsteht eine quadratische Gleichung. Zwei reelle Lösungen bedeuten zwei Schnittpunkte, eine doppelte Lösung bedeutet Tangentialberührung und keine reelle Lösung bedeutet, dass die Gerade den Kreis verfehlt. Dieselbe Prüfung kann modellieren, ob eine geplante Straße ein kreisförmiges Schutzgebiet durchquert oder ob eine Flugbahn eine festgelegte Zone berührt.
Die Darstellung vergleicht Sekante, Tangente und eine Gerade ohne gemeinsamen Punkt mit dem Kreis.
Die oberste Gerade besitzt keinen gemeinsamen Punkt mit dem Kreis. Die mittlere berührt ihn in genau einem Punkt. Die untere verläuft durch den Kreis und hat deshalb zwei Schnittpunkte.
Eine Sekante verläuft durch das Kreisinnere und trifft den Kreisrand in zwei verschiedenen Punkten.
Eine Tangente berührt den Kreisrand in genau einem Punkt.
Eine Passante liegt vollständig außerhalb des Kreises und besitzt keinen Schnittpunkt mit ihm.
Um die Anzahl der Schnittpunkte rechnerisch zu bestimmen, setzen wir die Geradengleichung in die Kreisgleichung ein. Dadurch entsteht eine quadratische Gleichung. Das Vorzeichen ihrer Diskriminante bestimmt, ob Gerade und Kreis zwei, einen oder keinen reellen Schnittpunkt besitzen.
Gegeben seien eine Gerade y=mx+c und ein Kreis x2+y2+Dx+Ey+F=0.
Im ersten Schritt wird jedes y der Kreisgleichung durch mx+c ersetzt:
x2+(mx+c)2+Dx+E(mx+c)+F=0
x2+m2x2+2mcx+c2+Dx+Emx+Ec+F=0
(1+m2)x2+(2mc+D+Em)x+(c2+Ec+F)=0
Nach der Substitution entsteht eine quadratische Gleichung der Form Ax2+Bx+C=0. Die Großbuchstaben unterscheiden diese Koeffizienten von der Konstanten c in der Geradengleichung:
A=1+m2
B=2mc+D+Em
C=c2+Ec+F
Anschließend berechnen wir die Diskriminante. Ihr Vorzeichen bestimmt die Anzahl der reellen Lösungen:
Jede reelle Lösung für x gehört zu einem Schnittpunkt. Deshalb ergeben sich drei Fälle:
Bei positiver Diskriminante (Δ>0) hat die quadratische Gleichung zwei verschiedene reelle Lösungen. Die Gerade ist eine Sekante und schneidet den Kreis in zwei Punkten.
Bei Diskriminante null (Δ=0) gibt es eine doppelte reelle Lösung. Die Gerade ist eine Tangente und berührt den Kreis in einem Punkt.
Bei negativer Diskriminante (Δ<0) gibt es keine reelle Lösung. Die Gerade ist eine Passante und schneidet den Kreis nicht.
Betrachten wir die Gerade y=2x−1 und den Kreis x2+y2−4x+2y−4=0.
Wir setzen y=2x−1 in die Kreisgleichung ein:
x2+(2x−1)2−4x+2(2x−1)−4=0
x2+4x2−4x+1−4x+4x−2−4=0
5x2−4x−5=0
Aus 5x2−4x−5=0 lesen wir a=5, b=−4 und c=−5 ab.
Damit folgt für die Diskriminante:
Δ=b2−4ac=(−4)2−4(5)(−5)
Δ=16+100=116
Weil Δ=116>0 gilt, schneidet die Gerade y=2x−1den Kreis in zwei Punkten.
Das Vorzeichen der Diskriminante bestimmt die Zahl der Schnittpunkte. Ihre Größe allein ist jedoch kein geometrischer Abstand der Geraden von der Tangente, denn sie hängt auch von der Skalierung der Gleichung ab.
Beim Kreis mit Mittelpunkt im Ursprung, x2+y2=r2, sind beide Mittelpunktkoordinaten null. Beim Einsetzen von y=mx+c entstehen daher keine horizontalen oder vertikalen Verschiebungsterme.
Wir setzen die Gerade in die Kreisgleichung ein:
x2+(mx+c)2=r2
x2+m2x2+2mcx+c2=r2
(1+m2)x2+2mcx+(c2−r2)=0
Die Diskriminante für diesen Fall ist:
Δ=(2mc)2−4(1+m2)(c2−r2)
Nach der Vereinfachung:
Δ=4[r2(1+m2)−c2]
Das Vorzeichen wird genauso gedeutet wie zuvor: positiv für zwei, null für einen und negativ für keinen Schnittpunkt.