Grenzwerte können das langfristige Verhalten eines mathematischen Modells beschreiben. Im Gesundheitsbereich muss eine Formel mit verlässlichen Daten abgeglichen und geprüft werden, bevor sie eine reale Entscheidung unterstützen kann. Die folgende Formel zeigt, wie ein Grenzwert berechnet und der Gültigkeitsbereich eines Modells geprüft wird.
Mit dieser bewusst vereinfachten Formel lässt sich prüfen, wie weit das Modell sinnvoll bleibt:
N(t)=285000−t2−t+(190,68)3
Dabei wird N(t) als modellierte Fallzahl gedeutet. t ist eine nicht negative Eingabe, deren Einheit für das jeweilige Szenario festgelegt werden muss.
Um zu prüfen, ob die Formel langfristig sinnvoll bleibt, berechnen wir:
Bezeichne den Wurzelterm mit R(t):
R(t)=t2−t+(190,68)3
t→∞limN(t)=t→∞lim(285000−R(t))
Für eine genaue Grenzwertberechnung klammern wir t2 unter der Wurzel aus. Wegen t>0 ist die Wurzel daraus t:
R(t)=t1−t1+t2(190,68)3
Der letzte Wurzelfaktor geht gegen 1, während t→∞ gilt. Daher geht R(t) gegen unendlich, und die berechnete Fallzahl wird negativ, sobald die Eingabe groß genug ist:
t→∞limN(t)=−∞
Eine negative Fallzahl bedeutet, dass die Formel außerhalb des Gültigkeitsbereichs des Modells verwendet wurde. Eine Fallzahl kann nicht negativ sein, daher ist die Formel nur sinnvoll, solange N(t)≥0 gilt. Diese vereinfachte Formel dient als mathematisches Rechenbeispiel. Sie ist keine epidemiologische Prognose und darf nicht als medizinische oder politische Empfehlung verwendet werden.
Für t≥0 liegt die obere Grenze bei ungefähr 284988,34. Der Beispielwert 282367 liegt darunter. Diese Prüfung sichert nur ein nicht negatives Ergebnis, keine Übereinstimmung mit Daten.
Eine marginale Größe misst die Änderung durch eine zusätzliche Einheit. Der Grenzwert macht daraus eine momentane Rate, und genau das bedeutet der marginale Wert, sobald die zusätzliche Einheit beliebig klein wird.
In einem differenzierbaren Kostenmodell beschreiben Grenzkosten, wie schnell sich die Gesamtkosten im jeweiligen Augenblick mit der Produktionsmenge ändern. Sie werden durch die Ableitung definiert:
Mathematische Definition mit Grenzwerten:
Grenzkosten=Δx→0limΔxC(x+Δx)−C(x)
Die Größen in dieser Definition bedeuten:
C(x) = Gesamtproduktionskostenfunktion für x Einheiten
Δx = kleine Änderung der Produktionsmenge
Der Grenzwert gibt die augenblickliche Änderungsrate der Kosten in Bezug auf die Produktion an
Wird die Produktion in ganzen Einheiten gezählt, betragen die exakten Zusatzkosten der nächsten Einheit C(x+1)−C(x). Die Ableitung C′(x) nähert diese diskrete Änderung häufig an, beide Größen sind aber nicht automatisch identisch.
Wähle positive Parameter K>0, A>0 und r>0. Ein vereinfachtes logistisches Bevölkerungsmodell hat dann die Form:
P(t)=1+Ae−rtK
Da e−rt→0 für t→∞ gilt, nähert sich das Modell seinem Tragfähigkeitsparameter:
t→∞limP(t)=1+A(0)K=K
Dabei ist K ein Parameter des vereinfachten Modells. Die Tragfähigkeit einer realen Umwelt kann sich ändern. Der Grenzwert behauptet also nicht, dass jede gemessene Population dauerhaft bei einem festen Wert bleibt.
Wähle A=4 und die dimensionslosen Koordinaten u=rt sowie q=P/K. Der Graph zeigt dann den erreichten Anteil der Tragfähigkeit:
q(u)=1+4e−u1
Bei u=0 ist q=1/5. Bei u=ln4 gilt q=1/(1+4/4)=1/2. Die Kurve nähert sich q=1, ohne diesen Wert in endlicher Zeit zu erreichen.
Population als Anteil der Tragfähigkeit
Die waagerechte Achse zeigt u gleich r mal t. Die senkrechte Achse zeigt q gleich P geteilt durch K. Die orange Gerade markiert den Grenzwert eins.
Beim Filter ändern wir die Frequenz, bei der Reaktion die Zeit. Bestimme zuerst die Variable der Annäherung, damit die Bedeutung des Grenzwerts klar bleibt.
Für ein normiertes analoges Tiefpassmodell erster Ordnung mit der Grenzkreisfrequenz ωc>0 lautet der Betrag des Frequenzgangs:
∣H(iω)∣=1+(ω/ωc)21
Seine Grenzwerte zeigen das idealisierte Verhalten unmittelbar:
ω→0lim∣H(iω)∣=1
ω→∞lim∣H(iω)∣=0
Dieses analoge Modell überträgt sehr niedrige Frequenzen mit einer Verstärkung nahe eins und dämpft höhere Frequenzen zunehmend. An der Grenzkreisfrequenz ergibt Einsetzen:
Für den idealisierten Verbrauch erster Ordnung eines Reaktanden A gilt:
[A](t)=[A]0e−kt,k>0
Daraus folgt:
t→∞lim[A](t)=[A]0t→∞lime−kt=0
Diese Schlussfolgerung gehört zu diesem irreversiblen Modell erster Ordnung. Eine reversible Reaktion im Gleichgewicht benötigt im Allgemeinen ein anderes Modell und muss keine Reaktandenkonzentration von null haben.
Mit der ungerundeten Zahl der berechtigten Erwachsenen ergibt sich für den Zielanteil:
318.671,78282.367×100%≈88,6%
Das Ziel entspricht in dieser Rechnung ungefähr 88,6% der berechtigten Erwachsenen. Die vereinfachte Formel zeigt nur, wie die Funktion an diesem Zielwert ausgewertet wird. Sie kann kein reales Impfziel festlegen.
Wenn 282.367 Personen geimpft sind, liefert die Formel ungefähr 2.621 verbleibende Fälle. Dieses Ergebnis stammt nur aus der vereinfachten Formel. Für eine Prognose oder die Verteilung von Gesundheitsressourcen werden reale Daten benötigt.
Die Anfangswerte stimmen nicht überein: Die Formel ergibt N(0)≈282367, die Bevölkerungsannahmen ergeben hingegen 172878 Anfangsfälle. Das Beispiel übt daher das Auswerten und Hinterfragen eines Modells. Das Formelergebnis darf nicht als Prognose für die beschriebene Bevölkerung gelesen werden.
Der Wert 2.621 Fa¨lle beantwortet die mathematische Frage zur vorgegebenen Formel. Eine reale Entscheidung bräuchte zusätzlich unabhängig geprüfte Erkenntnisse über:
Aktuelle und erwartete Krankenhauskapazitäten
Verfügbares medizinisches Personal und seine Auslastung
Die Ressourcenverteilung unter mehreren plausiblen Szenarien
Unsicherheit und eine ehrliche öffentliche Kommunikation
Ein Grenzwert beschreibt das Verhalten einer Formel. Ob die Formel zu den tatsächlichen Bedingungen passt, muss mit realen Daten geprüft werden. Nenne deshalb die Annahmen, den Gültigkeitsbereich, die Einheiten und die Unsicherheit des Modells, wenn du das berechnete Ergebnis erklärst.
Jede Aufgabe gibt eine Situation vor und verlangt den Wert, dem sich eine Größe nähert. Bestimme zuerst die Größe und berechne dann den Grenzwert.
Ein Pharmaunternehmen modelliert die kumulierte Impfstoffproduktion mit P(t)=50000(1−e−0,1t) für t≥0. Bestimme die langfristige Produktionsgrenze, die das Modell vorhersagt.
Die kumulierte Reichweite einer Nachricht in sozialen Medien wird durch I(t)=t+50100000t für t≥0 modelliert. Berechne den Grenzwert für und erkläre die vom Modell vorhergesagte langfristige Reichweite.
Die Gesamtkosten für die Produktion von x Masken werden durch C(x)=1000+5x+0,01x2 modelliert. Bestimme die Grenzkostenfunktion mit der Grenzwertdefinition und vergleiche sie anschließend mit den exakten Zusatzkosten beim Anstieg von auf Einheiten.
Aufgabe 1. Die langfristige Grenze des Modells ergibt sich aus dem Grenzwert für t→∞:
t→∞limP(t)=t→∞lim50000(1−e−0,1t)
=50000t→∞lim(1−e−0,1t)
=50000(1−0)=50000 Impfeinheiten
Die kumulierte Produktion nähert sich im Modell 50.000 Impfstoffeinheiten. Für ein endliches t erreicht sie diesen Wert nicht genau, weil e−0,1t>0 für jedes endliche t gilt.
Aufgabe 2. Teile Zähler und Nenner durch t, um den gegen null gehenden Term zu erkennen. Die Division ist für t>0 zulässig, also in der Nähe dieses Grenzübergangs.
t→∞limI(t)=t→∞limt+50100000t
=t→∞limt(1+t50)100000t=t→∞lim1+t50100000
=1+0100000=100000 Menschen
Innerhalb des Modells nähert sich die kumulierte Reichweite mit zunehmender Zeit 100.000 Menschen. Dieser Grenzwert ist ein modelliertes Sättigungsniveau, das nur unter den Annahmen des Modells gilt.
Aufgabe 3. Die Grenzkosten sind die Ableitung der Kostenfunktion und lassen sich mit der Grenzwertdefinition berechnen:
Grenzkosten=Δx→0limΔxC(x+Δx)−C(x)
Detaillierte Schritte:
C(x+Δx)=1000+5(x+Δx)+0,01(x+Δx)2
Wir multiplizieren aus:
(x+Δx)2=x2+2xΔx+(Δx)2
Dann setzen wir den Ausdruck ein:
C(x+Δx)=1000+5x+5Δx+0,01x2+0,02xΔx+0,01(Δx)2
Also,
C(x+Δx)−C(x)=5Δx+0,02xΔx+0,01(Δx)2
ΔxC(x+Δx)−C(x)=5+0,02x+0,01Δx
Δx→0lim(5+0,02x+0,01Δx)=5+0,02x
Damit lautet die Grenzkostenfunktion C′(x)=5+0,02x Geldeinheiten pro Produktionseinheit.
Die exakten Zusatzkosten der nächsten ganzen Einheit sind:
C(x+1)−C(x)
=1000+5(x+1)+0,01(x+1)2−(1000+5x+0,01x2)
=5,01+0,02x
Bei diesem Modell liegt die Ableitung um 0,01 Geldeinheit unter dem exakten Zuwachs um eine Einheit. Der Vergleich zeigt, weshalb Grenzkosten eine momentane Änderungsrate sind und die diskreten Kosten der nächsten Einheit nur annähern.