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Manche Ereignisse können nicht im selben Versuch gemeinsam eintreten. Bei einem einzelnen Münzwurf erscheint zum Beispiel entweder Kopf oder Zahl, niemals beides zugleich. Solche Ereignisse heißen disjunkt oder sich gegenseitig ausschließend.
können innerhalb desselben Zufallsversuchs nicht gemeinsam eintreten. Tritt eines ein, ist das andere in diesem Versuch ausgeschlossen.
Disjunkte Ereignisse
Ziehst du eine Karte aus einem üblichen Kartenspiel, kann sie nicht zugleich rot und schwarz sein. Die beiden Farbereignisse sind disjunkt, weil keine Karte beide Bedingungen erfüllt.
Disjunkte Ereignisse haben keine gemeinsamen Ergebnisse. Sind A und B disjunkt, dann gilt:
Das Symbol ∅ weist auf eine leere Menge hin, was bedeutet, dass es keine gemeinsamen Elemente zwischen den beiden Ereignissen gibt.
Diese Ereignispaare schließen sich jeweils aus:
- bei einem Würfelwurf: gerade Zahl und ungerade Zahl
- beim Ziehen einer Karte: Ass und König
- für dieselbe Person in einem Rennen: erster und zweiter Platz
Frage: „Kann ein einziges Ergebnis beide Bedingungen erfüllen?“ Lautet die Antwort nein, sind die Ereignisse disjunkt.
Da disjunkte Ereignisse keine Schnittmenge haben, vereinfacht sich die Additionsregel zu:
Die Wahrscheinlichkeit für A oder B ist dann die Summe der beiden Einzelwahrscheinlichkeiten.
Disjunkt bedeutet nicht unabhängig. Gelten P(A)>0 und P(B)>0, macht die Information, dass A eingetreten ist, B unmöglich. Daher ist P(A∩B)=0. Unabhängigkeit würde dagegen P(A∩B)=P(A)P(B)>0 verlangen.
Für disjunkte Ereignisse gilt P(A∩B)=0. Die allgemeine Additionsregel zieht die Schnittmenge ab:
Setzen wir die leere Schnittmenge ein, erhalten wir:
Ein Würfel wird einmal geworfen. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit für eine Primzahl oder eine Zahl größer als 4.
Ergebnisraum: S={1,2,3,4,5,6}
- Ereignis A (Primzahl): A={2,3,5}
- Ereignis B (Zahl>4): B={5,6}
Schnittmenge prüfen: A∩B={5}
Die Zahl 5 liegt in beiden Ereignissen. Sie sind also nicht disjunkt. Die ursprüngliche Frage lässt sich dennoch beantworten, allerdings muss die Überschneidung abgezogen werden:
Das nächste Beispiel zeigt, wann die kürzere Additionsregel für disjunkte Ereignisse gilt.
Disjunktes Vergleichsbeispiel:
- Ereignis A (ungerade Zahl): A={1,3,5}
- Ereignis C (gerade Zahl): C={2,4,6}
Schnittmenge prüfen: A∩C=∅
Da die Schnittmenge leer ist, sind die Ereignisse disjunkt.
Dieses Ergebnis ist sinnvoll, da beim Würfeln auf jeden Fall entweder eine ungerade oder eine gerade Zahl erscheint (alle Möglichkeiten sind abgedeckt).
Zwei Würfel werden geworfen. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit für die Summe 5 oder die Summe 7.
Zum besseren Verständnis schauen wir uns in der folgenden Tabelle alle möglichen Ergebnisse des Würfelns mit zwei Würfeln an:
| Würfel 1 \ Würfel 2 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
|---|
| 1 | (1,1) | (1,2) | (1,3) |
Es gibt insgesamt 6×6=36 geordnete Paare.
Ereignis A (Summe=5):
Aus der obigen Tabelle sind die Paare, die die Summe 5 ergeben:
-
(1,4):1+4=5
-
(2,3):2+3=5
-
(3,2):3+2=5
-
(4,1):4+1=5
Es gibt also 4Wege, um die Summe 5 zu erhalten.
Ereignis B (Summe=7):
Aus der obigen Tabelle sind die Paare, die die Summe 7 ergeben:
-
(1,6):1+6=7
-
(2,5):2+5=7
-
(3,4):3+4=7
-
(4,3):4+3=7
-
(5,2):5+2=7
-
(6,1):6+1=7
Es gibt also 6Wege, um die Summe 7 zu erhalten.
Schnittmenge prüfen: Eine Würfelsumme kann nicht zugleich 5 und 7 sein, also A∩B=∅.
Beide Ereignisse sind disjunkt.
Um 91+61 zu addieren, benötigen wir das kleinste gemeinsame Vielfache von 9 und 6.
lcm(9,6)=18, also:
Bei Aufgaben zu disjunkten Ereignissen gehst du so vor:
- Bestimme den Ergebnisraum und die Anzahl aller möglichen Ergebnisse
- Definiere die Ereignisse eindeutig
- Prüfe ihre Schnittmenge
- Berechne die Einzelwahrscheinlichkeiten
- Wende die Formel an P(A∪B)=P(A)+P(B)
- Visualisiere die Ereignisse bei Bedarf mit einem Diagramm oder einer Tabelle
- Prüfe den Wertebereich: Eine Wahrscheinlichkeit liegt zwischen 0 und 1
- Lies „oder“ einschließend, sofern die Aufgabe nichts anderes sagt
Manche Ereignisse wirken auf den ersten Blick disjunkt, sind es aber tatsächlich nicht:
- Ereignis A: Das Erhalten einer Primzahl ist {2,3,5}
- Ereignis B: Das Erhalten einer ungeraden Zahl ist {1,3,5}
Häufiger Fehler: „Primzahl und ungerade Zahl sind verschiedene Begriffe, also sind die Ereignisse disjunkt.“
Tatsächlich: A∩B={3,5}=∅, also nicht disjunkt
Beispiel 2: Kartenziehen
- Ereignis A: Ziehen einer roten Karte
- Ereignis B: Ein Ass ziehen
Häufiger Fehler: „Farbe und Kartenwert sind verschiedene Merkmale, also sind die Ereignisse disjunkt.“
Tatsächlich: Herz-Ass und Karo-Ass sind rot und zugleich Asse, also sind die Ereignisse nicht disjunkt.
Beispiel 3: Zwei Schülerkriterien
- Ereignis A: Lernende mit einer Körpergröße von >160 cm
- Ereignis B: Schüler, deren Punktzahl über 80 liegt
Häufiger Fehler: „Größe und Testergebnis sind unterschiedliche Merkmale, daher schließen sich die Ereignisse gegenseitig aus.“
Tatsächlich: Eine Person kann beide Kriterien erfüllen, also sind die Ereignisse nicht disjunkt.
- Frage: „Kann ein Ergebnis beide Kriterien erfüllen?“
- Bilde die Schnittmenge der beiden Ereignisse
- Ist sie nicht leer, sind die Ereignisse nicht disjunkt
- Ist sie leer, sind die Ereignisse disjunkt
Bearbeite jede Aufgabe selbst, bevor du die ausführliche Lösung liest. Schreibe beide Mengen auf und prüfe ihre Schnittmenge, bevor du die Additionsregel auswählst.
-
Ein Würfel wird einmal geworfen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit für eine Zahl kleiner als 3 oder größer als 5.
-
Aus einem üblichen Kartenspiel wird eine Karte zufällig gezogen. Berechne die Wahrscheinlichkeit für ein Ass oder einen König.
-
Zwei Münzen werden geworfen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit für genau 1-mal Zahl oder genau 2-mal Kopf.
-
In einer Schachtel liegen 10Kugeln mit den Nummern 1 bis 10. Eine Kugel wird zufällig gezogen. Berechne die Wahrscheinlichkeit für eine gerade Zahl oder eine ungerade Primzahl.
-
Lösung:
Ergebnisraum: S={1,2,3,4,5,6}, also n(S)=6
- Ereignis A (Zahl<3): A={1,2}, also n(A)=2
- Ereignis B (Zahl>5): B={6}, also n(B)=1
Schnittmenge prüfen: A∩B=∅ (keine Zahl erfüllt gleichzeitig x<3 und x>5)
Da die Ereignisse disjunkt sind, verwenden wir die Additionsregel:
-
Lösung:
Die Gesamtzahl der Karten beträgt 52
- Ereignis A (Ass-Karte): 4Asse
- Ereignis B (Königskarte): 4Ko¨nige
-
Lösung:
Verwende 0 für Kopf und 1 für Zahl. Der Ergebnisraum ist {(0,0),(0,1),(1,0),(1,1)} und enthält Ergebnisse.
-
Lösung:
Eine ungerade Primzahl ist eine Primzahl, die auch ungerade ist. Primzahlen aus 1-10 sind {2,3,5,7}, ungerade Primzahlen sind also {3,5,7}.
Ergebnisraum: S={1,2,3,4,5,6,7,8,9,10}, also
| 2 | (2,1) | (2,2) | (2,3) | (2,4) | (2,5) | (2,6) |
| 3 | (3,1) | (3,2) | (3,3) | (3,4) | (3,5) | (3,6) |
| 4 | (4,1) | (4,2) | (4,3) | (4,4) | (4,5) | (4,6) |
| 5 | (5,1) | (5,2) | (5,3) | (5,4) | (5,5) | (5,6) |
| 6 | (6,1) | (6,2) | (6,3) | (6,4) | (6,5) | (6,6) |
Schnittmenge prüfen: Keine Karte ist zugleich Ass und König, also A∩B=∅
Beide Ereignisse schließen sich gegenseitig aus.
- Ereignis A (genau einmal Zahl): {(0,1),(1,0)}, also n(A)=2
- Ereignis B (genau zweimal Kopf): {(0,0)}, also n(B)=1
Schnittmenge prüfen: A∩B=∅ (genau einmal Zahl und genau zweimal Kopf können nicht zugleich eintreten)
- Ereignis A (gerade Zahl): A={2,4,6,8,10}, also n(A)=5
- Ereignis B (ungerade Primzahl): B={3,5,7}, also n(B)=3
Schnittmenge prüfen: A∩B=∅ (keine Zahl ist zugleich gerade und eine ungerade Primzahl)
Um 21+103 zu addieren, müssen wir die Nenner ausgleichen.
lcm(2,10)=10, also: