Wird es heute regnen? Gewinnt eine Mannschaft ihr nächstes Spiel? Beides ist ungewiss. Mit einer Wahrscheinlichkeit können wir diese Unsicherheit trotzdem genau beschreiben.
Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses liegt zwischen 0 und :
1
Wahrscheinlichkeit 0 bedeutet, dass das Ereignis unmöglich ist
Wahrscheinlichkeit 1 bedeutet, dass das Ereignis sicher ist
Wahrscheinlichkeit 0,5 bedeutet, dass das Ereignis und sein Komplement gleich wahrscheinlich sind
Eine Wahrscheinlichkeit sagt kein einzelnes Ergebnis sicher voraus. Sie beschreibt, wie häufig ein Ergebnis bei vielen Wiederholungen zu erwarten ist, und gibt an, wie sicher oder unsicher eine Entscheidung ist.
Bevor wir eine Wahrscheinlichkeit berechnen, brauchen wir zwei Begriffe:
Der Ergebnisraum (S) ist die Menge aller möglichen Ergebnisse eines Zufallsexperiments. Werden zum Beispiel zwei Würfel geworfen, ist jedes Ergebnis ein geordnetes Paar von Augenzahlen.
Ein Ereignis (A) ist eine Teilmenge des Ergebnisraums. Es enthält genau die Ergebnisse, die wir untersuchen möchten.
Konkretes Beispiel: Bei zwei Münzwürfen verwenden wir die üblichen Kürzel H für Kopf und T für Zahl. Der Ergebnisraum ist {HH,HT,TH,TT}. Das Ereignis „mindestens einmal Zahl“ lautet A={HT,TH,TT}.
Für ein Ereignis mit gleich wahrscheinlichen Ergebnissen verwenden wir die klassische Wahrscheinlichkeitsformel:
P(A)=n(S)n(A)
Die Größen in dieser Formel bedeuten:
P(A) = Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A
n(A) = Anzahl der günstigen Ergebnisse im Ereignis A
n(S) = Anzahl aller möglichen Ergebnisse im Ergebnisraum
Bedingung: Diese Zählformel gilt nur, wenn alle Ergebnisse im Stichprobenraum gleich wahrscheinlich sind.
Grundlegende Eigenschaften:
0≤P(A)≤1 (jede Wahrscheinlichkeit liegt zwischen 0 und 1)
P(A)+P(A′)=1, wobei A′ das Gegenereignis zu A bezeichnet
Gegenereignis: Das Gegenereignis zu A enthält jedes Ergebnis des Ergebnisraums, das nicht zu A gehört. Bedeutet A etwa „eine gerade Zahl würfeln“, so steht A′ für „eine ungerade Zahl würfeln“.
Zwei faire Würfel liefern 6×6=36 gleich wahrscheinliche geordnete Paare. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit für die Summe 9.
Systematische Lösung:
Zuerst sammeln wir alle Möglichkeiten für die Summe 9:
Erster Würfel 3, zweiter Würfel 6: (3,6)
Erster Würfel 4, zweiter Würfel 5: (4,5)
Erster Würfel 5, zweiter Würfel 4: (5,4)
Erster Würfel 6, zweiter Würfel 3: (6,3)
Damit gibt es n(A)=4 günstige Ergebnisse.
Nun setzen wir die beiden Anzahlen in die Formel ein:
P(Summe=9)=364=91≈0,111
Wahrscheinlichkeitsbasierte Marketingstrategie:
Ein Getränkeunternehmen legt manchen Getränkekartons Gewinncoupons bei. Aus bisherigen Daten wird die Wahrscheinlichkeit, in einem gekauften Karton einen Gewinn zu finden, auf 323 geschätzt.
Praktische Interpretation: Bei sehr vielen Käufen ist im Mittel in etwa 3 von 32 Kartons ein Gewinn zu erwarten. Diese Schätzung kann dem Unternehmen helfen:
das Werbebudget zu planen
die Reaktion der Kundschaft abzuschätzen
realistische Verkaufsziele festzulegen
Würfelsummen vergleichen:
Bei zwei fairen Würfeln hat die Summe 7 mehr günstige geordnete Paare als jede andere Summe:
Möglichkeiten für die Summe 7: (1,6),(2,5),(3,4),(4,3),(5,2),(6,1)=6Wege
P(Summe=7)=366=61≈0,167
Das ist die größte Wahrscheinlichkeit unter allen möglichen Summen. Trotzdem muss der nächste Wurf nicht 7 ergeben. Die Rechnung beschreibt, wie sich die Ergebnisse über viele Würfe verteilen. Sie legt den nächsten einzelnen Wurf nicht fest.
Versuche jede Aufgabe selbst, bevor du die ausführliche Lösung liest. Notiere zuerst den Ergebnisraum und das Ereignis. Setze erst danach Zahlen in die Formel ein.
Bestimme beim Werfen zweier Würfel die Wahrscheinlichkeit für eine gerade Summe.
Eine Schachtel enthält 5rote Kugeln, 3blaue Kugeln und 2gru¨ne Kugeln. Eine Kugel wird zufällig gezogen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie nicht rot ist.
Drei faire Münzen werden unabhängig voneinander geworfen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit dafür, genau zweimal Zahl zu erhalten.
Eine Qualitätskontrolle findet genau 50 fehlerhafte Produkte in einer Charge von 1000Einheiten. Wie groß ist bei einer gleichverteilten Zufallsauswahl die Wahrscheinlichkeit für ein fehlerfreies Produkt?
Interpretation: Bei einer gleichverteilten Zufallsauswahl aus dieser Charge beträgt die Wahrscheinlichkeit für ein fehlerfreies Produkt 95%. Das ist eine Aussage über das Zufallsmodell, keine Garantie für ein einzelnes Produkt.