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Angenommen, wir fragen eine Schulklasse, wie jeder Schüler zur Schule gekommen ist. Anschließend wählen wir einen Schüler zufällig aus und suchen die Wahrscheinlichkeit, dass er mit dem Fahrrad ODER Motorrad gekommen ist.
Das Wort „ODER“ verbindet die beiden Ereignisse. Mit der Additionsregel berechnen wir die Wahrscheinlichkeit, dass Ereignis eintritt, Ereignis eintritt oder beide eintreten, sofern eine Überschneidung möglich ist.
Zwei Fälle bestimmen, welche Formel gilt:
- Die Ereignisse können nicht im selben Versuch auftreten. Sie sind gegenseitig ausschließend.
- Die Ereignisse können im selben Versuch auftreten. Sie sind nicht gegenseitig ausschließend.
Der entscheidende Unterschied ist also, ob sich die beiden Ereignismengen überschneiden.
Gegenseitig ausschließende Ereignisse, auch disjunkte Ereignisse genannt, können nicht gemeinsam in einem Versuch auftreten.
Tritt Ereignis A ein, tritt Ereignis B nicht ein, und umgekehrt.
- Ein Münzwurf ergibt entweder „Kopf“ oder „Zahl“, aber nie beides zugleich.
- Zain ist mit dem Motorrad ODER mit dem Fahrrad zur Schule gekommen, sofern jeder Schüler nur ein Verkehrsmittel genutzt hat.
- Beim Werfen zweier Würfel: das Ereignis „Die Summe ist 7“ ODER das Ereignis „Pasch, also gleiche Augenzahl auf beiden Würfeln“.
- Die Summe ist 7: (1,6),(2,5),(3,4),(4,3),(5,2),(6,1)
- Pasche: (1,1),(2,2),(3,3),(4,4),(5,5),(6,6)
- Kein geordnetes Paar gehört zu beiden Gruppen. Die Ereignisse sind daher gegenseitig ausschließend.
Sind die Ereignisse A und B gegenseitig ausschließend, ist ihre Schnittmenge leer. Für „A ODER B“ werden deshalb nur die beiden Einzelwahrscheinlichkeiten addiert.
Für den Versuch mit zwei Würfeln:
- Wahrscheinlichkeit, dass die Summe 7 (P(S=7)) ist: Es gibt 6 Paare aus der Gesamtmenge von 36, daher ist die Wahrscheinlichkeit 6/36
- Wahrscheinlichkeit für einen Pasch (P(Doppelt)): Es gibt 6 Paare unter insgesamt 36, also beträgt die Wahrscheinlichkeit 6/36
Damit beträgt die Wahrscheinlichkeit für die Summe 7 ODER einen Pasch:
Nicht gegenseitig ausschließende Ereignisse können gemeinsam in einem Versuch auftreten. Ihre Ergebnismengen haben also eine Schnittmenge.
- Beim Ziehen einer Karte aus einem Standardkartenspiel überschneiden sich die Ereignisse „ein Ass ziehen“ und „eine Herzkarte ziehen (♡)“ beim Herz-Ass (A♡).
- Beim Werfen zweier Würfel: das Ereignis „Die Summe ist 8“ ODER das Ereignis „einen Pasch würfeln“.
- Die Summe ist 8: (2,6),(3,5),(4,4),(5,3),(6,2)
- Pasche: (1,1),(2,2),(3,3),(4,4),(5,5),(6,6)
- Das Paar (4,4) gehört zu beiden Gruppen. Die Ereignisse sind daher nicht gegenseitig ausschließend.
Warum reicht einfaches Addieren nicht aus?
Bei P(A)+P(B) wird die Schnittmenge doppelt gezählt: einmal als Teil von A und einmal als Teil von B.
Im Beispiel „Summe 8 ODER Pasch“ gilt:
- P(S=8): Es gibt 5 Paare, daher beträgt die Wahrscheinlichkeit 5/36
- P(Doppelt) sind 6 Paare, nämlich 6/36
Direktes Addieren ergibt 5/36+6/36=11/36. Das Paar (4,4) liegt jedoch in beiden Gruppen. Seine Wahrscheinlichkeit muss einmal abgezogen werden, damit es insgesamt nur einmal zählt.
Für Ereignisse A und B, die sich nicht gegenseitig ausschließen, wird die Wahrscheinlichkeit von „A ODER B“ wie folgt berechnet:
Der Term P(AundB) ist die Wahrscheinlichkeit der Schnittmenge, in der A und B gemeinsam auftreten. Durch einmaliges Subtrahieren wird die Doppelzählung korrigiert.
Wir verwenden erneut das Beispiel „Summe 8 ODER Pasch“:
-
P(S=8)=5/36
-
P(Doppelt)=6/36
- Das Ereignis „Summe 8 UND Pasch“ (P(S=8und Doppel)) enthält genau ein Ergebnis: das Paar (4,4). Seine Wahrscheinlichkeit beträgt 1/36.
Damit beträgt die Wahrscheinlichkeit für die Summe 8 ODER einen Pasch:
Die Bedeutung von „ODER“ in der Mathematik
In der Mathematik umfasst „A oder B“ drei Möglichkeiten: nur A, nur B oder beide, wenn eine Schnittmenge existiert. Dieses „oder“ ist inklusiv. Im Alltag kann „oder“ dagegen manchmal genau eine von zwei Möglichkeiten meinen.
- Schnittmenge prüfen: Können die Ereignisse A und B im selben Versuch auftreten?
- Wenn sie nicht gemeinsam auftreten können: Verwende P(AoderB)=P(A)+P(B).
- Wenn sie gemeinsam auftreten können: Verwende P(AoderB)=P(A)+P(B)−P(AundB).
In einer Klasse mit 30 Schülerinnen und Schülern gehören 18 zur Mathematik-AG, 14 zur Naturwissenschafts-AG und 8 zu beiden Arbeitsgemeinschaften. Eine Person wird zufällig ausgewählt.
- Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die ausgewählte Person zur Mathematik-AG oder zur Naturwissenschafts-AG gehört?
- Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie keiner der beiden Arbeitsgemeinschaften angehört?
Sei M das Ereignis „gehört zur Mathematik-AG“ und S das Ereignis „gehört zur Naturwissenschafts-AG“. Die 8 Personen in beiden Arbeitsgemeinschaften sind in beiden Anzahlen enthalten. Bei 18+14 würden sie deshalb doppelt gezählt. Die allgemeine Additionsregel korrigiert diese Doppelzählung:
Außerhalb beider Arbeitsgemeinschaften bleiben 30−24=6 Personen. Somit gilt:
Die beiden Wahrscheinlichkeiten ergeben 4/5+1/5=1. Damit ist geprüft, dass die Klasse vollständig in zwei komplementäre Gruppen zerlegt wurde: Personen in mindestens einer Arbeitsgemeinschaft und Personen in keiner der beiden.
Die Schnittmenge muss genau einmal abgezogen werden, weil sie bereits in beiden ursprünglichen Anzahlen enthalten ist. Diese Komplementkontrolle deckt eine ausgelassene oder doppelt gezählte Gruppe auf, bevor das Ergebnis übernommen wird.