Wird derselbe Gegenstand mehrmals gemessen, weichen die Ergebnisse oft leicht voneinander ab. Das ist normal. Der Druck auf das Gerät kann sich ändern, die Skala wird aus einem etwas anderen Winkel abgelesen oder der Gegenstand verrutscht geringfügig.
Messunsicherheit ist ein nicht negativer Parameter, der auf Grundlage der verfügbaren Informationen die Streuung der einer Messgröße zugeordneten Größenwerte kennzeichnet. Bei Wiederholungsmessungen gewinnt eine Typ-A-Auswertung eine Unsicherheitskomponente aus der statistischen Analyse der Beobachtungen.
Diese Lektion verwendet zunächst die Stichprobenstandardabweichung s, um die Streuung einzelner Ablesungen zu beschreiben. Die Standardunsicherheit des Mittelwerts ist eine andere Größe und folgt später.
Wiederholte Messungen machen zufällige Abweichungen sichtbar, die von einer Ablesung zur nächsten in beide Richtungen schwanken. Systematische Abweichungen verschwinden dadurch nicht. Ein Gerät mit verschobenem Nullpunkt oder beschädigter Skala muss geprüft und gegebenenfalls kalibriert werden.
Manche Schulbücher schreiben die Streuung wiederholter Messwerte in der folgenden kompakten Form.
Δx=N1N−1N∑i=1Nxi2−(∑i=1Nxi)2
Diese Formel ist algebraisch gleichbedeutend mit der Stichprobenstandardabweichung:
Δx=sx=N−1∑i=1N(xi−xˉ)2
Der Faktor N1 in der kompakten Form macht das Ergebnis daher nicht automatisch zur formalen Unsicherheit des Mittelwerts.
In der Metrologie beschreiben NIST und JCGM GUM die Standardunsicherheit des Mittelwerts dagegen als:
u(xˉ)=Nsx
Bei einfachen Schulaufgaben gilt die im Aufgabentext festgelegte Konvention. Verwendet eine Aufgabe Δx für die kompakte Formel, kann Δx in diesem Modell als Unsicherheit der wiederholten Messung bezeichnet werden. Entscheidend ist, beide Bedeutungen ausdrücklich auseinanderzuhalten.
Manchmal wird der Durchmesser gemessen, während die Aufgabe nach der Fläche des Flaschendeckels fragt. Für einen Kreis gilt:
A=41πd2
Da die Fläche vom Durchmesser abhängt, liefert jede Durchmesserablesung einen etwas anderen Flächenwert. Verwende den Rechnerwert von π und behalte die ungerundeten Flächenwerte während der Rechnung. Die Tabelle zeigt zur Lesbarkeit nur 4 Nachkommastellen.
Messung
Durchmesser
Daraus berechnete Fläche
1
3,12cm
7,6454cm2
2
3,14cm
7,7437cm2
3
3,15cm
7,7931cm2
4
3,11cm
7,5964cm2
5
3,14cm
7,7437cm2
Die mittlere Fläche beträgt:
Aˉ=51i=1∑5Ai=7,7045cm2
Die Streuung der Flächenwerte beträgt:
sA=0,0808cm2
Das Ergebnis lässt sich so angeben:
A=(7,70±0,08)cm2
Die angezeigten Tabellenwerte sind nicht die Recheneingabe. Eine Zwischenrundung der Flächen kann die abschließende Streuung verändern, daher verwenden Mittelwert und Standardabweichung oben die ungerundeten Werte.
Die relative Streuung setzt die Stichprobenstandardabweichung ins Verhältnis zum Betrag des Mittelwerts.
εr=∣xˉ∣sx×100%
Für die Fläche des Flaschendeckels ergibt sich:
εr=7,70450,0808×100%≈1,05%
Die Stichprobenstreuung beträgt damit ungefähr 1,05% der mittleren Fläche. Ob das ausreicht, hängt vom Verwendungszweck und von der Zielunsicherheit ab. Ohne eine solche Anforderung darf der Prozentsatz nicht als "klein genug" bezeichnet werden.