Das gelöste Problem
Für und sucht ein lineares Ausgleichsproblem den Parametervektor, der das Residuum möglichst klein macht:
Jeder Minimierer erfüllt die Normalgleichung
Diese Gleichung ist immer lösbar. Der Minimierer ist genau dann eindeutig, wenn gilt. Das setzt voraus. Bei vollem Spaltenrang gilt
Hat keinen vollen Spaltenrang, bleibt der angepasste Vektor eindeutig, der Parametervektor jedoch nicht. Ist eine Lösung, dann liegen alle Lösungen in
Die Existenz der Lösung
Der Spaltenraum von ist ein endlichdimensionaler abgeschlossener Unterraum von . Deshalb besitzt eine eindeutige orthogonale Projektion auf diesen Raum. Jedes mit ist eine Ausgleichslösung.
Die Normalgleichung beschreibt dieselbe Geometrie, denn
Diese Gleichung bedeutet, dass das Residuum zu jeder Spalte von orthogonal ist.
Pseudoinverse nach Moore und Penrose
Die Moore-Penrose-Pseudoinverse ist für jede reelle Matrix definiert, auch für rechteckige Matrizen und Matrizen ohne vollen Rang. Schreibe ihre Singulärwertzerlegung als
Die dargestellte Faktorisierung ist eine Singulärwertzerlegung. Für die Pseudoinverse wird jeder von null verschiedene Singulärwert durch ersetzt. Singulärwerte gleich null bleiben null. Damit erhält man
Der Vektor ist die eindeutige Ausgleichslösung mit kleinster euklidischer Norm. Hat vollen Spaltenrang, vereinfacht sich die allgemeine Definition zu
Die Pseudoinverse wird durch die vier Penrose-Identitäten eindeutig bestimmt:
Direkte Lösung mit der Zerlegung mit QR
Für eine Matrix mit vollem Spaltenrang und verwendet man die dünne -Zerlegung
Die Zielfunktion des Ausgleichsproblems zerfällt in
Der zweite Term hängt nicht von ab. Daher erhält man den Minimierer durch Lösen des oberen Dreieckssystems
Dieser Weg löst das ursprüngliche Ausgleichsproblem direkt. Man bildet nicht zuerst , um anschließend die Normalgleichung zu lösen.
Beispiel einer Polynomanpassung
Die folgenden numerischen Faktoren und Koeffizienten sind auf fünf Nachkommastellen gerundet. Die exakten Matrixgleichungen gelten vor dem Runden.
Wir passen an sieben Messwerte an. Die Designmatrix und der Beobachtungsvektor lauten
Jede Zeile von hat die Form . Eine gültige dünne -Zerlegung ist
Die Vorzeichen zusammengehöriger Spalten von und Zeilen von können sich zwischen gültigen -Implementierungen unterscheiden. Das Produkt und die endgültige Anpassung bleiben gleich.
Zuerst berechnen wir
Danach folgt die Rückwärtssubstitution:
Damit gilt
Wahl des numerischen Verfahrens
| Verfahren | Ungefähre Kosten für dichte Matrizen mit | Hauptvorteil | Wichtigste Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Normalgleichungen und Cholesky | in bilden, dann in etwa Flops faktorisieren | schnell bei gut konditioniertem Problem und vollem Rang | |
| Householder- | etwa Flops | bildet nicht und ist meist stabiler | bei abhängigen Spalten ist eine rangoffenbarende Variante nötig |
| aufwendiger als | gibt den Rang an und liefert die Lösung kleinster Norm | höchste Kosten der drei Verfahren |
Verwende als übliche Wahl für dichte Probleme mit vollem Rang. Verwende die , wenn die Matrix rangdefizient oder stark fehlkonditioniert ist oder eine Lösung kleinster Norm benötigt wird. Bilde die Normalmatrix nur, wenn der Geschwindigkeitsgewinn den Verlust an numerischer Stabilität rechtfertigt. Berechne in Produktionscode keine Inverse explizit.