Was eine Matrix orthogonal oder unitär macht
Eine reelle quadratische Matrix heißt orthogonal, wenn
Eine komplexe quadratische Matrix heißt unitär, wenn
Dabei ist die adjungierte Matrix. Eine reelle orthogonale Matrix ist eine unitäre Matrix mit reellen Einträgen.
Die definierenden Gleichungen sind gleichbedeutend damit, dass die Spalten eine Orthonormalbasis bilden. Auch die Zeilen sind orthonormal.
Was orthogonale und unitäre Transformationen erhalten
Für reelle Vektoren und eine orthogonale Matrix gilt
Dieselben Aussagen gelten über mit komplexen Skalarprodukten und . Orthogonale und unitäre Transformationen erhalten daher Längen, Abstände, Winkel und Orthogonalität.
Alle ihre Singulärwerte sind gleich . Somit gilt
Die Multiplikation mit einer solchen Matrix verstärkt relative Fehler in der euklidischen Norm nicht. Deshalb beruhen -Faktorisierungen auf Householder-Spiegelungen und Givens-Rotationen.
Determinanten und Orientierung
Für eine unitäre Matrix gilt
Bei einer reellen orthogonalen Matrix ist die Determinante reell. Daher
Der Fall erhält die Orientierung. Der Fall kehrt die Orientierung um und enthält eine Spiegelungskomponente.
Eigenwerte und Spektralstruktur
Gilt mit , dann
Jeder Eigenwert liegt daher auf dem komplexen Einheitskreis. Nichtreelle Eigenwerte einer reellen orthogonalen Matrix treten in konjugierten Paaren auf. Eine unitäre Matrix ist normal. Der komplexe Spektralsatz liefert deshalb
In dieser Zerlegung ist unitär. Über den reellen Zahlen lässt sich eine orthogonale Matrix auf Blöcke aus , und ebenen Rotationen reduzieren.
Rotationsbeispiel
Eine Drehung der Ebene gegen den Uhrzeigersinn um ist
Ihre Spalten sind orthonormal, und direktes Ausmultiplizieren ergibt
Das charakteristische Polynom lautet
Falls kein Vielfaches von ist, besitzt die Drehung keinen reellen Eigenvektor. Das ist zu erwarten: Bei einer echten ebenen Drehung bleibt keine reelle Richtung ungleich null fest oder ändert nur ihr Vorzeichen.
Spiegelungsbeispiel
Für einen Einheitsvektor definieren wir die Householder-Matrix
Die Matrix spiegelt einen Vektor an der zu senkrechten Hyperebene. Ihre Orthogonalität lässt sich mit den folgenden Identitäten prüfen:
Aus den beiden Identitäten folgt . In Richtung hat die Matrix den Eigenwert . Jeder zu senkrechte Vektor hat den Eigenwert . Deshalb ist .
Gleichwertige Prüfungen und Folgen
| Aussage | Orthogonaler Fall | Unitärer Fall |
|---|---|---|
| Inverse | ||
| Spalten | reelle Orthonormalbasis | komplexe Orthonormalbasis |
| Determinante | Betrag | |
| Eigenwerte | Einheitskreis, bei nichtreellen Werten konjugierte Paare | Einheitskreis |
| Singulärwerte | alle | alle |
| Konditionszahl in der Zweinorm |
Produkte und Inversen bleiben in derselben Klasse:
Da orthogonale und unitäre Matrizen Normen erhalten, verändern die orthogonalen Transformationen in der -Zerlegung und in Ausgleichsrechnungen die Vektorlängen nicht. Fourier-Transformationen, Quantenmechanik und Geometrieverarbeitung nutzen dieselbe Eigenschaft, um Skalarprodukte und Normen zu erhalten.