Warum Ausgleichsprobleme instabil sein können
Für und löst die gewöhnliche Methode der kleinsten Quadrate
Ein Minimierer existiert immer, auch wenn die Gleichungen nicht konsistent sind. Bei einer rangdefizienten Matrix muss dieser Minimierer nicht eindeutig sein. Ist nahezu rangdefizient, können kleine Störungen in große Änderungen der angepassten Parameter verursachen.
Die Singulärwertzerlegung erklärt die Verstärkung. In der Ausgleichslösung kleinster Norm wird jede Datenkomponente durch den zugehörigen positiven Singulärwert geteilt. Singulärwerte null tragen über die Pseudoinverse null bei. Ein sehr kleiner positiver Singulärwert verstärkt deshalb Fehler in seiner Datenrichtung.
Problem nach Tikhonov
Die Tikhonov-Regularisierung wägt Datentreue gegen eine gewählte Vorstellung plausibler Parameter ab:
Minimiere für :
Dabei ist ein Referenzwert und legt fest, welche Größe klein oder glatt bleiben soll. Der Wert bestimmt, wie stark die Lösung den Daten und wie stark sie der durch beschriebenen Einschränkung folgt.
- bestraft den Abstand zu .
- Eine Matrix erster Differenzen bestraft schnelle Änderungen benachbarter Parameter.
- Eine Matrix zweiter Differenzen bestraft Krümmung und begünstigt glattere Profile.
Der Strafterm fügt eine ausdrückliche Modellannahme über die Lösung hinzu und kann die numerische Kondition des Optimierungsproblems verbessern. Die Beobachtungsdaten enthalten weiterhin dieselben Informationen.
Erweitertes Ausgleichsproblem
Das regularisierte Problem lässt sich als folgendes Ausgleichsproblem schreiben:
Die Ableitung dieser Zielfunktion nach liefert die Normalgleichung:
Diese Normalgleichung hat genau dann eine eindeutige Lösung, wenn die folgende Bedingung erfüllt ist:
Für die gewöhnliche Ridge-Regularisierung mit gilt diese Bedingung für jedes , denn ist positiv definit.
Spektrale Filterung
Für und sei . Dann gilt
Ist deutlich größer als , liegt der Faktor nahe bei . Die Regularisierung verändert den zugehörigen Anteil der Lösung daher kaum. Ist deutlich kleiner als , liegt der Faktor nahe bei und der zugehörige Anteil wird kleiner. So führt ein kleiner Messfehler nicht zu einer großen Änderung der angepassten Lösung.
Gerechnetes Sensitivitätsbeispiel
Wir betrachten
Der zweite Singulärwert beträgt nur . Eine Änderung der zweiten Beobachtung um ändert den zweiten unregularisierten Parameter um .
Mit , und folgt
Dieselbe Störung um verändert den zweiten Parameter nun nur um . Die Schätzung ist weniger empfindlich gegenüber dieser Störung. Zugleich zieht der Strafterm den zweiten Parameter zum Referenzwert null. Der Unterschied zur unregularisierten Schätzung allein verrät nicht, welcher Wert näher am unbekannten wahren Parameter liegt.
Vergleiche den zweiten Parameter vor und nach derselben Datenänderung. Der erste Parameter bleibt bei dieser Störung unverändert.
| Verfahren | Vorher | Nachher | Änderung |
|---|---|---|---|
| Unregularisiert | |||
Wahl des Regularisierungsparameters
Es gibt keinen universell besten Wert für . Er hängt vom Rauschniveau, von der Parameterskalierung, von der Strafe und vom Zweck des Modells ab.
| Methode | Geeignete Evidenz | Entscheidung |
|---|---|---|
| Validierung oder Kreuzvalidierung | Vorhersagemodell mit zurückgehaltenen Beobachtungen | Den Wert mit der besten Leistung außerhalb der Trainingsdaten wählen |
| Diskrepanzprinzip | Belastbare Schätzung der Norm des Beobachtungsrauschens | Residualnorm an das erwartete Rauschniveau anpassen |
| Verallgemeinerte Kreuzvalidierung | Lineares inverses Problem ohne eigenen Validierungssatz | Einen aus dem angepassten System berechneten Vorhersagewert minimieren |
| L-Kurve | Explorative Analyse inverser Probleme | Die Ecke der Kurve aus Residualnorm und Strafnorm untersuchen |
Ein kleines betont die Datentreue und kann Rauschverstärkung bestehen lassen. Ein großes betont die Strafe und kann die Lösung zu stark glätten oder schrumpfen. Auch Parameterspalten und Strafzeilen müssen sinnvoll skaliert sein. Andernfalls lässt sich der Zahlenwert von kaum interpretieren.
Allgemeine Gewichte und Nebenbedingungen
Eine Diagonalmatrix erzeugt parameterspezifische Strafen:
Ein größeres bedeutet eine stärkere Schrumpfung in Richtung . Wähle die Gewichte anhand der Einheiten und konkreter Vorinformationen, etwa der plausiblen Skala jedes Parameters oder einer erwarteten glatten Änderung zwischen benachbarten Parametern. Die Schwierigkeit einer Schätzung reicht als Begründung nicht aus.
Eine Gleichung wie sollte als ausdrückliche Gleichungsnebenbedingung modelliert werden, wenn sie exakt gelten muss. Schranken wie erfordern ein beschränktes Ausgleichsproblem. Eine extrem große Strafe kann eine Gleichung annähern, ersetzt aber keine exakte Nebenbedingung und kann die numerische Skalierung verschlechtern.
Das erweiterte System stabil lösen
Verwende die Normalgleichung, um den regularisierten Schätzer herzuleiten und den Einfluss von und zu untersuchen. Bilde für die numerische Berechnung nicht ausdrücklich, weil dieser Schritt die Konditionszahl quadriert. Löse stattdessen das erweiterte Ausgleichssystem mit oder . Dokumentiere , , die Parameterskalierung, die Residualnorm und die Strafnorm, damit andere die Rechnung wiederholen und die Abwägung zwischen Datentreue und Strafe prüfen können.