Wann eine reelle normale Matrix eine reelle Eigenbasis besitzt
Für sind die folgenden Aussagen äquivalent:
- Es gibt eine Orthonormalbasis von , die aus Eigenvektoren von besteht.
- Die Matrix ist normal und ihr charakteristisches Polynom zerfällt über vollständig in Linearfaktoren.
- Es gibt eine reelle orthogonale Matrix und eine reelle Diagonalmatrix mit .
- Die Matrix ist symmetrisch: .
Die Äquivalenz erklärt die zusätzliche Bedingung gegenüber komplexen normalen Matrizen. Eine komplexe normale Matrix besitzt stets eine unitäre Eigenbasis, doch diese Basis und ihre Eigenwerte müssen nicht reell sein.
Der Beweis verbindet die vier Aussagen direkt. Eine orthonormale Eigenbasis liefert die Spalten von . Aus mit reeller Diagonalmatrix folgt . Umgekehrt diagonalisiert der reelle Spektralsatz jede reelle symmetrische Matrix orthogonal. Hat schließlich eine reelle normale Matrix nur reelle Eigenwerte, so erfüllt ihre komplexe unitäre Diagonalisierung . Da reell ist, bedeutet dies genau .
| Matrixklasse | Körper | Garantierte Spektralform |
|---|---|---|
| Komplex und normal | Unitäre Diagonalisierung. Die Eigenwerte dürfen komplex sein | |
| Komplex und hermitesch | Unitäre Diagonalisierung mit reellen Eigenwerten | |
| Reell und symmetrisch | Orthogonale Diagonalisierung mit reellen Eigenwerten | |
| Reell und orthogonal | Im Allgemeinen entstehen reelle Rotationsblöcke. Eine reelle Diagonalform entsteht nur, wenn alle Eigenwerte reell sind |
Normale Matrix ohne reelle Eigenbasis
Betrachte die Drehung um einen Winkel , der kein ganzzahliges Vielfaches von ist:
Die Matrix ist orthogonal. Daher gilt und sie ist normal. Ihr charakteristisches Polynom lautet
Seine Diskriminante ist
Da kein ganzzahliges Vielfaches von ist, gilt . Das charakteristische Polynom hat daher keine reelle Nullstelle und besitzt keine reelle Eigenvektorbasis. Über sind die Eigenwerte und .
Bei wird der blaue Vektor zum orangen Vektor . Ihr Skalarprodukt ist null. Allgemein gilt : Jeder reelle Vektor ungleich null wird um 90° gedreht und bleibt daher nicht auf seiner ursprünglichen Geraden.
Eine diagonalisierbare nicht normale Matrix
Die folgende Matrix ist über diagonalisierbar, aber nicht normal:
Die Eigenwerte und sind verschieden, daher ist die Matrix diagonalisierbar. Die zugehörigen Eigenräume sind
Mit diesen Eigenvektoren als Spalten erhält man eine explizite Diagonalisierung:
Die beiden Eigenvektoren sind jedoch nicht orthogonal, denn
Direktes Multiplizieren zeigt außerdem, dass nicht normal ist:
Dieses Beispiel trennt die beiden Begriffe. Bei einer gewöhnlichen Diagonalisierung darf die Eigenvektormatrix beliebig invertierbar sein. Eine orthogonale Diagonalisierung verlangt dagegen eine orthonormale Eigenbasis und damit eine reelle symmetrische Matrix.