Der senkrechte Umriss eines Kühlturms erinnert oft an eine Hyperbel. Auch die kegelförmige Stoßwelle eines Überschallflugzeugs kann dort, wo sie auf den Boden trifft, eine hyperbolische Kurve bilden. Diese Beispiele geben uns ein erstes Bild der Kurve.
Geometrisch entsteht eine Hyperbel, wenn eine Ebene beide Hälften eines Doppelkegels schneidet. Anders als die geschlossene Ellipse hat sie zwei getrennte Äste, die sich in entgegengesetzte Richtungen öffnen.
Eine Hyperbel ist die Ortskurve aller Punkte, für die der Betrag der Differenz der Abstände zu zwei festen Punkten konstant ist. Diese beiden festen Punkte heißen Brennpunkte. Für jeden Punkt P auf der Hyperbel gilt ∣PF1−PF2∣=2a. Bei einer Ellipse ist dagegen die Summe der Abstände konstant: PF1+PF2=2a.
Grundkonzept der Hyperbel
Hyperbel mit zwei Brennpunkten, die einen konstanten Abstandsunterschied aufweisen
Die Darstellung zeigt beide Äste, die beiden Brennpunkte und einen Punkt P auf der Kurve. Die beiden Strecken haben die Längen r1=PF1 und r2=PF2. Wenn P auf einem der Äste wandert, ändern sich beide Längen, ihr absoluter Unterschied bleibt jedoch ∣r1−r2∣=2a.
Bevor wir die Formeln verwenden, betrachten wir die Teile, die Form und Lage der Kurve bestimmen.
Teile einer Hyperbel
Wichtige Bestandteile einer Hyperbel mit horizontaler Transversalachse.
Die Grafik lässt sich anhand von fünf Merkmalen lesen:
Das Zentrum der Hyperbel ist der Mittelpunkt zwischen den beiden Brennpunkten und wird normalerweise mit O bezeichnet.
Brennpunkte (F1 und F2) sind die beiden festen Punkte in der Definition einer Hyperbel. Bezeichnet c den Abstand vom Mittelpunkt zu einem Brennpunkt, dann beträgt der Abstand zwischen beiden Brennpunkten 2c.
Scheitelpunkte (A1 und A2) sind die Punkte der beiden Äste, die dem Mittelpunkt am nächsten liegen. Beide liegen auf der Transversalachse.
Transversalachse ist die Strecke durch den Mittelpunkt, deren Endpunkte die beiden Scheitelpunkte sind. Die Brennpunkte liegen auf der Geraden, die diese Strecke enthält.
Asymptoten sind Linien, denen sich die Äste der Hyperbel nähern, wenn sie sich ins Unendliche erstrecken. Die Hyperbel berührt nie ihre Asymptoten, aber je weiter sie vom Zentrum entfernt ist, desto näher kommt die Kurve den Asymptotenlinien.
Der Hauptunterschied zwischen einer Hyperbel und einer Ellipse: Eine Hyperbel hat Asymptoten und besteht aus zwei separaten Zweigen, während eine Ellipse eine geschlossene Kurve ohne Asymptoten ist.
a ist der Abstand vom Mittelpunkt zum Scheitelpunkt (reelle Halbachse oder halbe Transversalachse)
b ist die konjugierte Halbachse, die die Steigungen der Asymptoten bestimmt
c ist der Abstand vom Mittelpunkt zum Brennpunkt
Diese Beziehung unterscheidet sich von einer Ellipse, die c2=a2−b2 verwendet.
Exzentrizität einer Hyperbel ist definiert als:
e=ac
Die Exzentrizität einer Hyperbel erfüllt stets e>1, denn aus c2=a2+b2 folgt c>a. Genauer gilt e2=1+a2b2. Mit wachsendem e wächst daher auch das Verhältnis b/a, das zugleich die Steigungen der Asymptoten bestimmt. Zum Vergleich: Ein Kreis hat e=0, eine Ellipse hat 0<e<1, eine Parabel hat e=1 und eine Hyperbel hat e>1.
Asymptotengleichungen für eine Hyperbel mit Mittelpunkt bei (0,0):
y=±abx(horizontale Transversalachse)
y=±bax(vertikale Transversalachse)
Die Asymptoten beschreiben die Grenzrichtungen der beiden Äste. Mit wachsendem Abstand vom Mittelpunkt nähert sich jeder Ast einer Asymptote, ohne sie zu schneiden.