Stell dir ein Fahrrad vor, dessen Rad auf einer ebenen Straße steht. In diesem Moment berührt die Straße den kreisförmigen Reifen genau an einem Punkt. Die Straße selbst dient als Modell für die . Der Radius zum Berührpunkt steht senkrecht auf ihr.
Tangente
Wir bestimmen die Gleichung dieser Geraden in drei Situationen: Der Berührpunkt ist bekannt, die Steigung ist bekannt oder die Tangente soll durch einen Punkt außerhalb des Kreises verlaufen.
Die geometrische Idee bleibt dabei gleich. Eine Tangente berührt den Kreis in genau einem Punkt. Der Radius zu diesem Punkt liefert entweder die senkrechte Richtung oder den benötigten Abstand.
Ist der Berührpunkt bekannt, prüfe zuerst, ob er wirklich auf dem Kreis liegt. Danach dient der Radius zu diesem Punkt als Normalenvektor der Tangente.
Tangente in einem bekannten Punkt
Die Tangentengleichung entsteht aus dem bekannten Berührpunkt.
Für den Kreis x2+y2=r2 und einen Berührpunkt M(p,q) auf dem Kreis gilt die Berührpunktform:
px+qy=r2
Warum funktioniert diese Formel? Der Radius OM hat den Richtungsvektor (p,q). Da die Tangente senkrecht auf OM steht, ist derselbe Vektor ein Normalenvektor der Tangente. Setzt man M ein, erhält man p2+q2=r2. Die Gerade verläuft also tatsächlich durch den Berührpunkt.
Für den Kreis (x−h)2+(y−k)2=r2 mit Berührpunkt M(p,q) wenden wir dieselbe Idee auf den Mittelpunkt (h,k) an:
(p−h)(x−h)+(q−k)(y−k)=r2
Diese Form nutzt den Radius direkt als Normalenvektor. Sie funktioniert auch bei einer vertikalen Tangente, für die keine endliche Steigung existiert.
Ist die Steigung bekannt, aber der Achsenabschnitt noch nicht, hilft die Abstandsbedingung: Der senkrechte Abstand vom Mittelpunkt zur Tangente ist gleich dem Radius.
Tangenten mit gegebener Steigung
Der Abstand vom Mittelpunkt zur Geraden bestimmt die beiden Achsenabschnitte.
Der Kreis sei (x−h)2+(y−k)2=r2 und die Tangente habe die Steigung m. Wir schreiben die Gerade als y=mx+c.
Die Punkt-Geraden-Abstandsformel liefert den Abstand des Mittelpunkts (h,k) von der Geraden mx−y+c=0:
d=m2+1∣mh−k+c∣
Bei einer Tangente muss dieser Abstand gleich dem Radius sein:
m2+1∣mh−k+c∣=r
∣mh−k+c∣=rm2+1
mh−k+c=±rm2+1
Aus der Betragsgleichung ergeben sich zwei Achsenabschnitte:
Von einem Punkt außerhalb eines Kreises lassen sich genau zwei Tangenten ziehen. Haben beide eine endliche Steigung, können wir ihre Steigungen mit einer quadratischen Gleichung bestimmen.
Tangenten durch einen Punkt außerhalb
Die Bedingung eines doppelten Schnittpunkts bestimmt die beiden Steigungen.
Der äußere Punkt sei P(x0,y0) und der Kreis habe die Gleichung x2+y2=r2. Eine nicht vertikale Gerade durch P hat die Steigung m.
Ihre Gleichung lautet y−y0=m(x−x0) oder y=mx−mx0+y0.
Setze diesen Ausdruck in die Kreisgleichung ein. Eine Tangente schneidet den Kreis in einem doppelten Punkt. Deshalb muss die entstehende quadratische Gleichung in x die Diskriminante null haben:
x2+(mx−mx0+y0)2=r2
(1+m2)x2+2m(y0−mx0)x+(y0−mx0)2−r2=0
Nach dem Vereinfachen ergibt sich aus der Diskriminantenbedingung:
(x02−r2)m2−2x0y0m+(y02−r2)=0
Die Lösungen sind die Steigungen der beiden nicht vertikalen Tangenten. Falls eine vertikale Tangente möglich ist, muss x=x0 getrennt geprüft werden, denn sie lässt sich nicht als y=mx+c schreiben.