Bei einem algebraischen Grenzwert entscheidet die Form des Ausdrucks darüber, welche Rechenoperation zulässig ist. Ein Polynom kann direkt ausgewertet werden. Ein rationaler Ausdruck oder ein Wurzelausdruck kann dagegen einen kürzbaren Faktor, einen Rand des Definitionsbereichs oder eine senkrechte Asymptote enthalten, die zuerst untersucht werden muss.
Algebraische Funktionen entstehen aus Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und Potenzen mit rationalen Exponenten. Beispiele sind das Polynom f(x)=x2+3x−2 und die rationale Funktion g(x)=x−2x+1. Wir verwenden direktes Einsetzen als Diagnose und faktorisieren, rationalisieren oder prüfen einseitiges Verhalten, wenn das Einsetzen den Grenzwert noch nicht bestimmt.
Rationale Funktionen haben die Form Q(x)P(x), wobei P(x) und Q(x) Polynome sind. Der Nenner entscheidet über den nächsten Schritt:
Ist der Nenner nicht null: Setze direkt ein, genau wie bei einer Polynomfunktion.
Ist der Nenner null: Prüfe Zähler, Vorzeichen und einseitiges Verhalten. Nur 00 ist eine unbestimmte Form, die sich möglicherweise algebraisch auflösen lässt. Ein von null verschiedener Zähler über null ist nicht unbestimmt.
Wir faktorisieren Zähler und Nenner. Für x2+2x−15 suchen wir zwei Zahlen mit dem Produkt −15 und der Summe 2. Das sind 5 und −3.
x2−9=(x−3)(x+3)
x2+2x−15=x2+5x−3x−15=x(x+5)−3(x+5)=(x−3)(x+5)
Damit folgt:
x→3lim(x−3)(x+5)(x−3)(x+3)=x→3limx+5x+3
Nun setzen wir x=3 ein: 3+53+3=86=43
Ergibt direktes Einsetzen 0a mit a=0, reicht dieses Ergebnis allein nicht aus. Prüfe das Vorzeichen und die beiden einseitigen Grenzwerte. Zum Beispiel:
x→2−limx−21=−∞
x→2+limx−21=+∞
Da die einseitigen Grenzwerte verschieden sind, existiert limx→2x−21 nicht als zweiseitiger Grenzwert. Ergibt das Einsetzen dagegen 00, wird der Term zuerst faktorisiert, rationalisiert oder auf andere Weise vereinfacht.