Für einfache Figuren wie Rechtecke oder Dreiecke gibt es vertraute Flächenformeln. Wird eine Fläche jedoch von einer gekrümmten Linie begrenzt, reicht keine dieser Formeln direkt aus.
Bestimmte Integrale behandeln solche Flächen, indem sie die Inhalte immer schmalerer Streifen akkumulieren. Das ist die Idee hinter Riemann-Summen: Wir zerlegen das Intervall, nähern jeden Streifen durch ein Rechteck an und betrachten den Grenzwert der Summe.
Eine Funktion f(x) begrenze eine Fläche von x=a bis x=b. Wir zerlegen [a,b] in n Teilintervalle der Breite Δx.
Der erste Schritt besteht darin, die untere und obere Grenze der Integration zu bestimmen. Diese Grenzen geben den Bereich der x-Werte an, die die Region begrenzen, deren Fläche wir berechnen möchten.
Der Integrand beschreibt die vertikale Höhe der Fläche. Gilt f(x)≥0 im gesamten Intervall [a,b], dann ist der Flächeninhalt ∫abf(x)dx. Schneidet der Graph die Achse, teilen wir das Intervall an seinen Nullstellen oder integrieren ∣f(x)∣, damit jeder Teil positiv zum Flächeninhalt beiträgt.
Wenden wir dieses Konzept auf ein konkretes Beispiel an. Angenommen, wir möchten die Fläche der Region berechnen, die durch die Kurve f(x)=x2−4x und die x-Achse zwischen x=1 und x=3 begrenzt wird.
Funktionsgraph f(x)=x2−4x
Der Graph und die beiden senkrechten Grenzen des Integrationsintervalls.
Auf [1,3] lässt sich die Funktion als f(x)=x(x−4) faktorisieren. Jeder Punkt des Intervalls erfüllt x>0 und x−4<0. Daher gilt im gesamten Intervall f(x)<0. Die Randwerte f(1)=−3 und f(3)=−3 stimmen mit dieser Vorzeichenanalyse überein.
Hier ist das Vorzeichen entscheidend: Ein geometrischer Flächeninhalt ist nicht negativ. Da der Graph im gesamten Intervall unterhalb der Achse liegt, integrieren wir den Betrag der Funktion:
A=∫13∣x2−4x∣dx
A=∫13−(x2−4x)dx
A=∫13(−x2+4x)dx
Eine Stammfunktion liefert nun:
A=[−3x3+2x2]13
A=(−327+18)−(−31+2)
A=9−35=322
Daher beträgt die Fläche dieser Region 322 Quadrateinheiten.