Mit dem Faktorsatz können wir Polynome schrittweise zerlegen. Manchmal bleibt dabei ein nichtlinearer Faktor zurück, etwa ein quadratischer Faktor ohne reelle Nullstellen. Über den komplexen Zahlen lässt auch er sich weiter zerlegen.
Bei einer vollständigen Faktorisierungschreiben wir ein Polynom als Produkt linearer Faktoren. Die zugehörigen Nullstellen dürfen dabei komplex sein.
Grundlage ist der Fundamentalsatz der Algebra: Jedes Polynom vom Grad n≥1 besitzt in den komplexen Zahlen genau n Nullstellen, wenn ihre Vielfachheiten mitgezählt werden. Reelle Nullstellen sind darin enthalten.
Wenn P(x) ein Polynom vom Grad n≥1 mit dem führenden Koeffizienten an=0 ist, dann gibt es komplexe Zahlen c1,c2,…,cn (die die Wurzeln von P(x) sind), so dass:
P(x)=an(x−c1)(x−c2)…(x−cn)
Damit lässt sich jedes Polynom vom Grad n in genau n lineare Faktoren der Form (x−Wurzel) zerlegen und mit seinem Leitkoeffizienten multiplizieren.
Jede Nullstelle liefert einen Linearfaktor. Bestimme Nullstellen durch Gruppieren oder Prüfen rationaler Kandidaten und senke anschließend den Grad durch Division. Löse einen verbleibenden quadratischen Faktor mit der Lösungsformel, auch bei negativer Diskriminante.
Behalte den Leitkoeffizienten und wiederholte Faktoren bei. Das folgende Polynom hat zum Beispiel drei Nullstellen, wenn du Wiederholungen mitzählst: eins, eins und minus zwei.
Bestimme alle komplexen Nullstellen von P(x)=x3−3x2+x+5 und faktorisiere anschließend P(x) vollständig. Beginne mit den möglichen rationalen Nullstellen, prüfe sie durch Einsetzen und teile jeden gefundenen Faktor heraus, bis nur noch ein quadratischer Rest bleibt.
Die waagerechte Achse zeigt den Realteil, die senkrechte den Imaginärteil. Die Nullstellen 2+i und 2−i sind Spiegelbilder an der reellen Achse. Die Nullstelle −1 liegt auf der reellen Achse.
Die Nullstellen -1, 2+i und 2-i
Die Nullstellen 2+i und 2-i liegen jeweils eine Einheit oberhalb und unterhalb der reellen Achse.
Die Paarbildung gilt, weil alle Koeffizienten reell sind. Den Funktionswert zu konjugieren ergibt dann dasselbe wie das Polynom an der konjugierten Eingabe auszuwerten:
P(z)=P(z)=0=0
Aus P(z)=0 folgt somit auch P(z)=0. Die Voraussetzung reeller Koeffizienten ist nötig. Beispielsweise hat P(z)=z−i einen komplexen Koeffizienten und nur die Nullstelle i.